Karl-Marx-Hof

Sozialer Wohnbau und Werkbundsiedlung

Die sozialdemokratische Regierung der Ersten Republik (1918-1934) wollte die Lebensqualität der Arbeiterschaft verbessern. Der Plan war, große Wohnanlagen zu errichten, die ihren Bewohnern gute Lebensbedingungen boten und leistbar waren. Die Sozialbauten fungierten als eigene Städte in der Stadt und wurden zumeist in Blockrandbebauung ausgeführt: Eine große Toreinfahrt führte in den oft begrünten Innenhof, von dem aus man zu den einzelnen Stiegen und Wohnungen gelangt. Oft waren bzw. sind in den Gemeindebauten auch Schwimmbäder, Supermärkte, Wäschereien oder Kindergärten zu finden. Der erste Gemeindebau, der in Wien entstand, war der Metzleinstalerhof im 5. Bezirk.

Viele der Architekten waren Schüler der Jugendstil-Ikone Otto Wagner an der Akademie der bildenden Künste. So auch Karl Ehn, der den berühmten Karl-Marx-Hof im 19. Wiener Bezirk plante. Gemeinsam mit dem Sandleitenhof mit 1.531 Wohnungen im 16. Bezirk ist er das Aushängeschild des "roten Wohnungsbaus" in der Zwischenkriegszeit. Im Karl-Marx-Hof, der 1.272 Wohnungen auf 156.000 Quadratmeter Gesamtfläche beheimatet, ist ein Museum im Waschsalon untergebracht, das den kommunalen Wohnbau dieser Zeit beleuchtet. Zwischen 1923 und 1934 entstanden 61.175 Wohnungen in 348 Wohnhausanlagen und 5.227 Wohnungen in 42 Reihenhaussiedlungen. 400 Architekturbüros waren am Bau beteiligt. Unterbrochen vom Zweiten Weltkrieg nahm die Stadt Wien 1947 die soziale Bautätigkeit wieder auf und setzt sie - architektonisch der jeweiligen Zeit angepasst - bis heute fort.

Anfang der 1930er Jahre entstanden die so genannten Werkbundsiedlungen. Ihnen zugrunde lag die Idee einer neuen Siedlungsbewegung. Gewünscht wurden Wirtschaftlichkeit auf kleinstem Raum und funktionelle Lösungen. Die Musterhäuser sollten leistbar, seriell herstellbar und mit Flachdächern versehen sein. Die Wiener Werkbundsiedlung im 13. Bezirk mit insgesamt 76 Häusern entstand in den Jahren 1929 bis 1932 unter der Leitung von Josef Frank. Prominente Architekten waren u. a. Josef Hoffmann, Clemens Holzmeister oder Adolf Loos. Die Werkbundsiedlung konnte sich allerdings nicht durchsetzen - obwohl sie heute eines der bedeutendsten Beispiele der Moderne in Österreich ist. Der Austrofaschismus ab 1933 ließ wenig Spielraum für gesellschaftspolitische Experimente, die spätestens mit dem Anschluss Österreichs an Hitlerdeutschland 1938 gänzlich endeten.

Die Nazizeit hinterließ architektonisch kaum Spuren in Wien, abgesehen von den sechs Flaktürmen, die heute noch - wie Mahnmale - im Stadtbild sichtbar sind. Seit den 1960er Jahren entstanden unzählige hervorragende Beispiele moderne Architektur in Wien.

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