Wien hatte bis 1938 eine blühende jüdische Gemeinde mit Dutzenden Synagogen und Bethäusern. Der damals weit verbreitete Antisemitismus war die Basis für Rassenwahn und Terror der Nazis. Er setzte unmittelbar nach der Besetzung Österreichs durch die deutsche Wehrmacht im März 1938 ein. Wer etwas hatte, wurde beraubt: Durch "Arisierung" ging sein Vermögen an den Staat oder Private, die sehr günstig "kaufen" konnten. Ob berühmt wie Sigmund Freud, einfacher Schuster oder Hausfrau: 140.000 Österreicherinnen und Österreicher mussten "aus rassischen Gründen" flüchten. 65.000, denen die Flucht nicht möglich war, sind ermordet worden.
Die Aufarbeitung dieser größten Verbrechen in der Geschichte Wiens und Österreichs dauerte Jahrzehnte und ist teilweise bis heute nicht abgeschlossen. Seit den achtziger Jahren (das Jewish Welcome Service wurde 1980 gegründet) unternahm Wien verstärkt Anstrengungen, sich der Geschichte auch mit allen Schattenseiten zu stellen und das jüdische Erbe aufzuarbeiten.
Besuchen Sie das Jüdische Museum (im Palais Eskeles in der Dorotheergasse), das Museum auf dem Judenplatz (mit den unterirdischen Resten der mittelalterlichen Synagoge), das Schoa-Mahnmal auf dem Judenplatz und das Mahnmal gegen Krieg und Faschismus auf dem Albertinaplatz. Ein großes Gräberfeld aus der Zeit vor 1938 finden Sie in der Israelitischen Abteilung des Zentralfriedhofes (Zugang: 1. Tor). In Wiens Bezirk Rudolfsheim-Fünfhaus macht der mit dem Mobiltelefon anwählbare Audioguide Wien 15 an zehn Stationen die Geschichte der damaligen jüdischen Gemeinde erfahrbar - Zeitzeugen erzählen.
Diese Gedenkstätte im Vorraum des Wiener Stadttempels wurde Ende 2002 eröffnet. Sie erinnert an die 65.000 ermordeten österreichischen Juden, deren Namen hier auf drehbaren Schiefertafeln eingraviert sind. Im Zentrum der von Architekt Thomas Feiger gestalteten Gedenkstätte symbolisiert eine abgebrochene Granitsäule das von den Nazis 1938 vernichtete jüdische Gemeinwesen Wiens.
Sigmund Freud konnte 1938, unterstützt von Marie Bonaparte, nach England emigrieren. An seiner ehemaligen Wohn- und Praxisadresse Berggasse 19 im 9. Bezirk befindet sich seit den 1970er Jahren das Sigmund Freud Museum.
Der Wiener Arnold Schönberg wirkte in Berlin, als die Nazis 1933 an die Macht kamen. Sie vertrieben ihn noch im gleichen Jahr; er ging in die USA. In Wien erinnert das Schönberg Center an den Begründer der Zwölfton-Musik.
Mehr Informationen zum jüdischen Wien bietet die Broschüre "Jüdisches Wien – Erbe und Auftrag" (PDF) zum Herunterladen
Judenplatz 8/8
1010 Wien
Tel.: +43 - 1 - 535 04 31 500
Fax: +43 - 1 - 534 04 31 503
www.jewish-welcome.at
Führungen zu der Gedenkstätte im Stadttempel Wien:
Mo–Do jeweils 11.30 und 14 Uhr
Lichtbildausweis mitnehmen!
Gruppen nur nach Voranmeldung:
Tel.: +43 - 1- 535 04 – 31 311