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Selbstbildnis von Egon Schiele mit Lampionfrüchten
© Leopold Museum, Wien

Kunst darf nicht überall alles

Egon Schiele wagte um 1900, was auch heute noch für Aufregung sorgt: Die explizite und schonungslose Darstellung von Nacktheit. 100 Jahre später treffen seine Werke selbst in einer scheinbar aufgeklärten Gesellschaft einen wunden Punkt. Schieles expressionistische Zurschaustellung von nackten Körpern ist offensichtlich noch immer zu gewagt – was im Zuge der Bewerbung für das Jubiläumsjahr der Wiener Moderne 2018 dazu führte, dass seine Akte nicht unverhüllt in der Öffentlichkeit gezeigt werden durften.

Alles sehen - nur in Wien

Zur Bewerbung der wohl wichtigsten Kunst- und Kulturepoche Wiens sowie seiner prominentesten Vertreter war ursprünglich angedacht, Akte von Egon Schiele in deutschen und britischen Metropolen groß zu inszenieren. Seine weltberühmten Werke sollten in voller Pracht große Plakatstellen, ganze Hauswände und Citylights schmücken und mit der Frage, ob Schieles Kunst hundert Jahre nach dessen Tod von der Gesellschaft als immer nochzu gewagt empfunden wird, den Bogen ins Hier und Heute spannen.
In Wien so durchaus machbar, jedoch in London, Hamburg oder Köln unmöglich – was als Anregung zur Auseinandersetzung mit dem Kunst- und Kulturangebot der Wiener Moderne geplant war, lehnten die Werbestellenvermarkter beider Länder aufgrund von Vorschriften zur Sittlichkeit im öffentlichen Raum ab. Die Werke konnten nicht wie geplant im Orginal gezeigt werden.
Nach vielen Experimenten mit unterschiedlichen Arten der Abdeckung wählte man eine großflächige Version, um allen Vorgaben gerecht zu werden und um überhaupt Werbung im öffentlichen Raum für einen der größten Künstler seiner Zeit machen zu können.
Mit diesen Vorgaben wurde auch die Antwort zur in der Kampagne gestellten Frage geliefert: Schieles Kunst ist auch heute noch vielen zu gewagt.

#DerKunstihreFreiheit

Wien möchte, dem Geist der Wiener Moderne entsprechend, zum Diskurs anregen und ebendiesen wieder aufleben lassen. Die Tatsache, dass keine Original-Abbildungen von Schiele Akten in Deutschland und England gezeigt werden dürfen, soll aber schließlich noch stärker zu einer Diskussion über die Grenzen von Kunst, die unterschiedlichen Moralvorstellungen in der Öffentlichkeit und Online sowie über das Sitten- und Wertebild unserer Gesellschaft anregen. Unter #DerKunstihreFreiheit – in Anlehnung an den Wahlspruch der Wiener Secession, „Der Zeit ihre Kunst. Der Kunst ihre Freiheit“, werden die Meinungen und Standpunkte der Menschen 2018 zu diesem Thema auf allen sozialen Netzwerken gesammelt.

Alle Infos zur Kampagne und über die Wiener Moderne finden Sie in der Digitalen Secession: www.wienermoderne2018.info

Schiele: Selbstakt
© Leopold Museum
© WienTourismus/Rainer Fehringer
Egon Schiele, Sitzende Frau in violetten Strümpfen, 1917
© Private Collection, Courtesy Richard Nagy Ltd., London
Ein Aktselbstbildnis von Egon Schiele
© Albertina
Ausstellungsbesucher im Leopold Mueum
© WienTourismus / Peter Rigaud
Egon Schiele: Die Umarmung (Liebespaar II), 1917
© Belvedere, Wien