Wiener Würfeluhr

Ikonen ihrer Zeit

Die Wiener Würfeluhr

Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in Europa keine exakte einheitliche Zeitmessung, die Bürger stellten ihre Uhren meist nach Kirchturmuhren. Für eine aufstrebende Metropole wie Wien war die Vereinheitlichung der Uhrzeit unumgänglich. Das Uhrenreferat erhielt den Auftrag gemeinsam mit der Uhrenfabrik Schauer eine neuartige, elektrisch betriebene Uhr zu entwickeln. Im August 1907 konnte der erste Prototyp an der Kreuzung Opernring/Kärntnerstraße angebracht werden. Es war die erste Uhr weltweit, die ohne Ziffern, beleuchtet und impulsgesteuert war. Ihr würfelförmiges, an den Ecken abgeschrägtes Gehäuse war nicht nur zweckmäßig, sondern auch ästhetisch. Die Würfeluhr prägte in den folgenden Jahrzehnten das Stadtbild wie kaum ein anderes Objekt des Alltags und wurde zur Ikone der Moderne. Die Aufschrift „Normalzeit“ auf dem Ziffernblatt verwies auf die Tatsache, dass es sich hier um die exakte und international einheitliche Mitteleuropäische Zeit handelte.

1938 gab es bereits 37 Würfeluhren in Wien, den Höchststand erreichte man 1980 mit 78. Im Laufe der Jahrzehnte durchwanderte sie optische wie technische Updates. Die Uhren wurden ab 1971 über Funk und ab 2002 mittels Satellitennavigation GPS-gesteuert.

Aber egal wie das Innenleben aussah, die Würfeluhr war den Wienern ans Herz gewachsen, fast schon ein Gewohnheitsrecht. Wurde eine abmontiert, hat man sich aufgeregt. Auch die Einführung der neuen Generation der Würfeluhren im Jahr 2008 sorgte für großen Diskussionsstoff. Die originalen Uhren werden heute als Designobjekte des 20. Jahrhunderts zelebriert, fanden Eingang in die Literatur und werden in Ausstellungen und Museen gewürdigt.

Und es gibt sie auch fürs Handgelenk. Eine limitierte Auflage von 1907 Stück kann man u.a. bei Lichterloh in Wien und im MoMA Design Store in New York kaufen. Als kleinere Version mit einem Quarzwerk ist sie auch in einer unlimitierten Version erhältlich. Die Würfeluhr ist auch Inspiration für die Designlinie „Time for Vienna“. Sie umfasst u. a. Mokkatassen von Augarten Porzellan, Wasserbecher von Lobmeyr und Tee aus dem Haus Demmer.

Wiener Pavillon Pissoir

Mitte des 19. Jahrhunderts gab es noch ganz andere menschliche Bedürfnisse – und zwar nach öffentlichen Pissoirs auf stark frequentierten Plätzen und in Parks. Um den hohen Wasserverbrauch und auch den unangenehmen Geruch zu reduzieren, entwickelte der Wiener Wilhelm Beetz ein Öl-System zur Desinfektion. Sein Patent erhielt internationale Auszeichnungen und wurde nicht nur in Europa eingesetzt, sondern eroberte sogar den südafrikanischen Markt. Vereinzelt erinnern in Wien auch heute noch Pissoirs mit dem Spruch „Patent-Öl-Urinoir. Ohne Wasserspülung geruchlos“ an das Wiener Toiletten-Patent.

Die Firma Beetz wurde auch mit der Errichtung von öffentlichen Pissoirs beauftragt. Die Wände bestanden aus lackiertem Eisen. In Wien fand vor allem das achteckige, in der Fachliteratur „Wiener Pavillon Pissoir“ genannt, die weiteste Verbreitung.

1910 standen in Wien 137 Einzelpissoirs und 73 Toilettenanlagen. Die wohl berühmteste davon ist die Toilette am Graben. Auch sie wurde von Beetz errichtet, war die erste unterirdische Bedürfnisanstalt der Stadt, steht inzwischen unter Denkmalschutz und ist die letzte erhalten gebliebene öffentliche Jugendstil-Toilette Wiens.

Text: Andrea Kostner

Lichterloh

Gumpendorfer Straße 15-17 , 1060 Wien

Jugendstil-Toilette am Graben

Graben 22, 1010 Wien

Türkenschanzpark

Türkenschanzpark, 1180 Wien
  • Anmerkungen

    • zwischen Peter-Jordan-Straße, Gregor-Mendel-Straße, Hasenauerstraße und Max-Emanuel-Straße

 

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