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Wiener Konzerthaus, Pausensekt vor Beethovenbüste
© WienTourismus/Peter Rigaud

Happy Birthday, Ludwig!

Wann war eigentlich B-Day? Es beginnt schon mal damit, dass wir nicht wissen, wann wir Beethoven samt seinem Jubeltag befeiern dürfen. Denn verbrieft ist nur, dass ein Kind namens Ludwig van Beethoven (mehr Vornamen hatte er nicht – anders sein Klassik-Kollege Johannes Chrysostomus Wolfgangus Theophilus Mozart) am 17. Dezember in Bonn getauft wurde. Nachdem die Neugeborenen damals möglichst bald das Taufsakrament erhielten (die Säuglingssterblichkeit war hoch, der kirchliche Segen hatte Prio 1), kommen wohl nur der 16. oder 17. Dezember in Frage.

Ein bisschen Fun-Content zwischendurch. Ohne Katzen.

Ein Menschenfeind?

Die Geschichtsschreibung geht mit Heroen nicht immer zart um – im Falle Beethovens zeichnet sie einen Misanthropen. Bissig, laut, unbeherrscht, enerviert, ungeduldig, schnippisch und nicht leicht auszuhalten für seine Mitmenschen. Auf gut Wienerisch einfach grantig. Portraits – oft entstanden nach seinem Tod und daher fiktiv – zeigen ein Antlitz mit tiefen Falten, wildem Blick, zerzaustem Haar. So auch Schauspieler Gary Oldman im opulenten Biopic "Ludwig van B. – Immortal Beloved" aus 1994.
So ganz falsch ist diese Charakteristik wohl nicht, bloß überspitzt. Authentische Quellen sind Beethovens Konversationshefte (... wegen der Taubheit ...), dazu kommen Briefe (etwa "An die unsterbliche Geliebte" oder sein knapp am Suizid vorbeischrammendes "Heiligenstädter Testament") und Aufzeichnungen von Zeitgenossen. Die schon damals flunkerten, wie sein Sekretär und dann selbsternannter Biograf Anton Schindler. Der dichtete seinen Hero, wie er ihn sich wünschte. Wer den letzten Stand der Beethovenforschung (oder eine massive Unterlage für seine Nachttischlampe) sucht, dem sei Jan Caeyers "Beethoven. Der einsame Revolutionär" ans Herz bzw. in die reißfeste Tragtasche gelegt.

Impulsiv: ja

Wer Beethovens Noten-Autographe betrachtet, merkt: So schreibt kein introvertierter Zauderer. Siehe Eroica: Da war die Sache mit Napoleon. Beethoven war einst ein ziemlicher Fan dieses durchaus charismatischen Egomanen. Und widmete ihm gar seine 3. Symphonie, die "Eroica". Doch dann krönt sich Napoleon 1804 selbst zum Kaiser und macht sich nun – O-Ton Beethoven – selbst zum Tyrannen. Vorbei die Bewunderung. Da hob Meister Beethoven erzürnt die Hand und radierte die Widmung am Titelblatt aus – so heftig, dass gar ein Loch entstand. Als Widmungsträger einspringen durfte daraufhin Fürst Franz Joseph von Lobkowitz, in dessen Wiener Palais (heute das Theatermuseum) die Uraufführung stattfand.

Eier und Wasser

Andere überlieferte impulsive Handlungen sind Eierwerfen und Kübelschütten. Zu ersterem: Beethovens Haushälterin in der heutigen Probusgasse (heute: Beethoven Museum) musste viel beim strengen Herrn aushalten. Der beschnüffelte nämlich die Eier vor dem Kochen ob der Frische, und bei zornigem Gemüt flog schon mal eines nach der hoffentlich flinken Angestellten. Ein bisschen pedantisch dürfte Ludwig auch gewesen sein: Die Bohnen für seinen Kaffee mussten genau 60 sein. Da wurde nachgezählt.

Zum Kübelschütten: Beethoven dürfte nicht gerade der Lieblingsnachbar gewesen sein – wenn er in seinem Leben rund 60 Mal umzog, freuten sich die Erlösten. Denn wer unter ihm wohnte, konnte schon einmal mit einer tropfenden Zimmerdecke rechnen. Die Fama berichtet, dass der Meister – erhitzt vom Komponieren – sich kurzerhand Abkühlung verschaffte, indem er einen Kübel Wasser über sich ausleerte. Wird wohl gewirkt haben …

Jedenfalls: ein Genie. Prost!

Wie auch immer der Mensch Beethoven wirklich war: Was er uns hinterlassen hat, ist revolutionäre, geniale, noch immer aktuelle, inspirierende Musik. Grund für uns, seinen Geburtstag zu feiern. Hoch das Glas, die Gabel in die Torte – auch in Zeiten der Pandemie.

Der Weinliebhaber Beethoven hätte mit angestoßen. Der Wein damals war leider zum Haltbarmachen mit Blei versetzt. Keine gute Idee. Bei der Menge, die er sich genehmigte, dürfte eine schleichende Bleivergiftung mit schuld gewesen sein an seinem Ableben. Ein Augenzeugenbericht von Beethovens Freund, dem Kapellmeister Ignaz Seyfried, bestätigt die Chaos-und-Suff-These:

„In seinem Haushalt eine wahrhaft admirable Confusion … Bücher und Musikalien in allen Ecken zerstreut, – dort das Restchen eines kalten Imbisses, – hier versiegelte oder halbgeleerte Bouteillen, …“

Chapeau!

Hut ab vor seinem Schaffen. – Das sehen auch die Superstars von heute so. Zehn von ihnen haben wir zu Beethoven interviewt:

  1. Billy Joel ließ sich von der "Pathétique" zu seinem Song "This Night" inspirieren.
  2. Rebekka Bakken vergleicht Beethovens Melodien mit Popsongs.
  3. Opernstar Valentina Naforniţa ist schwer beeindruckt von Beethovens einziger Oper, Fidelio, die sie hier an der Wiener Staatsoper gesungen hat.
  4. Und Tenor Juan Diego Flórez gibt den Tipp, bei Beethovens Lied "Adelaide" tief Luft zu holen, wenn man nicht sterben will.
  5. Pianistin Yuja Wang steht auf seinen Widerstand gegen Regeln und Konventionen. Long live Revoluzzer!
  6. Geiger Joshua Bell gibt zu, mit Beethovens Violinkonzert einige seiner größten Niederlagen erlebt zu haben.
  7. Sein Kollege Julian Rachlin spürt eine spezielle "Beethoven-Energie" in Wien.
  8. Musik-Tausendsassa Aleksey Igudesman beschreibt Beethovens Musik als himmlisch und gleichzeitig sarkastisch, verrückt, verbittert und trotzig.
  9. Hollywood-Komponist Hans Zimmer ist fasziniert vom Anfang der Fünften, diesen wenigen Noten - "Da da da daaa". (Na, erkannt?)
  10. Musikproduzent Walter Werzowa hört in Beethovens Musik das wütende Trommeln in seiner Seele. Bumm bumm im Stakkato. 

Alle zehn Interviews gibt’s im O-Ton als Videos auf musik2020.wien.info

Und ganz viel mehr Beethoven-Content auf www.wien.info/beethoven

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