Publikum klatschend im Wiener Konzerthaus
© WienTourismus/Peter Rigaud

Das Wiener Publikum - Lauschen mit Leidenschaft

Warum das so ist, weiß niemand so recht. Doch dass das so ist, zeigt etwa die günstigste Kartenkategorie in der Wiener Staatsoper: Die Stehplatzkarten sind legendär. Sie sind ab fünf Euro zu haben. Noch legendärer sind jene Besucher, die dieses Angebot nutzen. Die "Stehplatzler" nehmen große körperliche Anstrengungen in Kauf, um die Liebe und die Leidenschaft zur Musik auszuleben. Gerade dann, wenn Opern-Regisseure zu ausufernden Inszenierungen neigen und die "Stehplatzler" sich mehrere Stunden lang die Beine in den Bauch stehen. Dabei verhält es sich recht einfach: Wer für die Musik brennt, nimmt auch brennende Muskeln und Gelenke in Kauf. Musikgenuss als eine Frage der Kondition. Für Musiker wie Stehpublikum gilt daher: Übung macht den Meister.

Wunderkinder müssen's wissen

Apropos Musiker: Sie wissen um die besonderen Qualitäten des Wiener Publikums natürlich Bescheid. Stargeiger Julian Rachlin etwa, der im Alter von drei Jahren nach Wien kam und als 14-Jähriger auf den Bühnen des Konzerthauses und des Musikvereins stand. "Ich hatte vom ersten Augenblick an das Gefühl, dass mir das Wiener Publikum eine Chance gibt." Das war vor 32 Jahren. Ein Gefühl, das ungebrochen ist: "Wien hat ein sehr sehr treues und liebevolles Publikum. Für uns Musiker gibt es nichts Größeres als in Wien zu leben und aufzutreten." Für Rachlin verdeutlicht auch die Biografie Beethovens die Einmaligkeit des Wiener Publikums. "Trotz Beethovens schwieriger Persönlichkeit und seiner charakterlichen Eigenheiten wurde er in Wien mit offenen Armen empfangen. Die Wiener haben ihn geliebt und gefeiert." Diese Offenheit sei heute noch spürbar, meint Rachlin.

Wiens längste Warteliste

Vom Ausdauervermögen des Wiener Konzertpublikums erzählen aber auch die Abonnements für die Wiener Philharmoniker. Um eines der begehrten Abos zu ergattern, ist viel Geduld nötig. Sage und schreibe 14 Jahre beträgt die Wartezeit auf ein Abo. Und nicht, dass es mit einer einmaligen Anmeldung getan wäre. Wer ein Abo möchte, muss den Antrag jährlich erneuern. Was letztlich bedeutet, dass für viele Musikliebhaber das Verhältnis zu den Philharmonikern länger anhält als so manche Ehe.

Julian Rachlin, im Wiener Konzerthaus im Parkett auf Sessel

Julian Rachlin

© WienTourismus/Stefan Wuernitzer
Juan Diego Flórez, Portrait

Juan Diego Flórez

© WienTourismus / Stefan Wuernitzer
"Wenn dich das Wiener Publikum einmal in sein Herz geschlossen hat, bleibt es dir ein Leben lang treu."
Julian Rachlin
"Vielleicht konnte das Publikum spüren, dass ich nicht in Topform war, aber sie mögen dich trotzdem, sie verstehen dich, sie spüren dich. Das ist das Magische an Wien."
Juan Diego Flórez
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