Sängerknaben laufen im Park
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Weltberühmt und immer hungrig

Es ist ein ebenso heißer wie ereignisreicher Junitag bei und mit den Wiener Sängerknaben: Wie durch eine Schleuse gelangt man in eine andere Welt, denn das automatische Eingangstor braucht gefühlte drei Minuten zum Öffnen. Der erste Eindruck ist grün, denn die jungen Gesangs­talente sind im Augarten daheim, dem früheren Jagdgebiet des Kaisers. Mächtige Platanen aus der Zeit Maria Theresias spenden Schatten. Gegenüber von Sportplatz und Park ist im über 300 Jahre alten Palais Augarten der Musiktrakt mit Proberäumen und das Gymnasium untergebracht. Hier übt gerade der Schubert-Chor. Das ist einer der vier Chöre der Wiener Sängerknaben. Die 25 Buben proben Mahlers 3. Symphonie, die demnächst im Wiener Konzerthaus aufgeführt wird.

Vom richtigen Bimm

Der Chorleiter sorgt für den Feinschliff. Er erklärt etwa, wie man es schafft, das „mm“ von „bimm bamm“ im fünften Satz in der richtigen Tonhöhe zu singen. – Ein Rätsel für Laien … Bei einem anderen Stück prusten die Knaben herzlich los, als er knackig korrigiert: „Nicht steirisch „Allllellluiiia“ singen! „-uja“ ist richtig!“ Was er mit dem österreichischen Dialekt meint, ist allen klar, sind sie auch eine noch so international durchmischte Truppe. Zwischendurch werden einzelne zur Stimmbildung mit Sängerknaben-­Leiter Gerald Wirth geholt. Beim individuellen Training geht es konzentriert zu. Erstaunlich, wie die professionellen Erklärungen in der Sekunde Verbesserungen bringen. Währenddessen arbeitet der Chor in der zweistündigen Probe weiter an Haydns Paukenmesse, für die Sonntagsmesse in der Hofburgkapelle.

Wir lieben es zu singen

In einer Probenpause erzählen vier Mitglieder des Schubert-Chors aus ihrem Leben: Da ist Laurin, der Älteste und nur mehr bis Sommer dabei. Er wuchs 70 Kilometer von Wien entfernt auf, mit einer gewissen Sängerknaben-Affinität, denn schon drei seiner Brüder waren hier. Laurin ist Tournee-Fan und erzählt von Deutschland, China, Australien und Taiwan. Ein Auftritts-Lieblingsort ist das nahe MuTh – der moderne, akustisch perfekte Konzertsaal am Augartenspitz, wo die Friday-Afternoon-Konzerte und Kinderopern stattfinden.

Der am weitesten Angereiste ist Julian aus Hongkong. Er hat in seiner Heimat einmal die Sängerknaben live gehört und wollte unbedingt dabei sein. Nach Workshops und einer Probe­woche zuhause erfüllte sich sein Traum. Auf die Frage, was einen Sängerknaben ausmacht: „Wir alle mögen Musik. Wir lieben es zu singen.“ – Keine Überraschung, aber hier vor Ort spürbare Realität.

Ähnlich Yun-Jaes Vorgeschichte: Auch der Süd-Koreaner fing nach einem Tournee-Konzert Feuer. Mit zehn Jahren kam er her, konnte weder Deutsch noch die europäische Schrift. „Aber er lernt wirklich sehr schnell!“, tönt es von Theo an seiner Seite. Er ist stolz auf seinen Freund. Der herzliche Theo ist Wiener. Seine Musikalität wurde schon im Kindergarten bestaunt. Auf Reisen liebt er die Freizeitgestaltung: „Man bekommt viel zu sehen vom Land. Wir machen auch Sightseeing. Und waren in Disneyland Shanghai und in einem Vergnügungspark in Taiwan.“

Alles bunt durchmischt

Ehrlich gibt er Auskunft über seine Lieblingsmusik: „Manche Stücke sind anstrengend und eher langweilig. Aber das ist nicht sehr häufig. Wir singen meist spannende und lustige Lieder wie Polka und Walzer. Von Johann Strauss. Weiters moderne Lieder, aber auch Barock und Renaissance. Alt bis neu. Alles bunt durchmischt.“

Ein verglaster Gang führt vom Palais Augarten in den modernen Internat-Zubau, wo die Kinder schlafen, essen, werken und im großzügigen eigenen Schwimmbad sporteln. Fixeinrichtung in jedem Stockwerk: Wasserspender und ein Tisch mit Essbarem für den akuten Hunger zwischendurch. Beim Mittagessen im Internat ertönt ein spontanes Geburtstagsständchen. – Ja, auch die Sängerknaben singen „Happy Birthday“. Natürlich mehrstimmig und astrein.

In der Schneiderei ziehen Laurin, Theo, Yun-Jae und Julian extra für uns die Uniformen an: die blaue Galauniform beziehungsweise die leichtere weiße. Bei der Türe steht eine mit „Reserve“ beschriftete Box, mit Uniformen für die Tournee. Darunter eine Notfall-Variante mit Reißverschluss am Ärmel, um eine Gipshand durchzubekommen.

Im Park posieren die Jungs ganz dynamisch beim Shooting. Das macht richtig Spaß, mit Springen, Laufen, Abstoppen. – Der Fotograf wird nur beinahe umgerannt ...

Am Sportplatz kommt der Basketball zum Einsatz, in der Schwimmhalle steht Wasserball auf dem Programm. Mit höchstem Körpereinsatz bearbeiten die Buben in der Werkstunde große hölzerne Schachfiguren mit Stemm­eisen, Säge und Feile. Beruhigend und nicht ganz ernst gemeint wird erklärt: „Fürs Singen braucht man die Hände nicht.“

In Physik geht es um die Lehre vom Schall. Debattiert wird, warum der Wind etwas „vertragen“, also leiser machen, kann. Zwischendurch beweist ein Schüler, dass er 30 Stellen der Zahl Pi auswendig weiß – hier gibt es Talente auf vielen Gebieten.

Musikerziehung, heute zu Rhythmik, ist die letzte Unterrichtsstunde, dann verabschieden sich die sympathischen Vier herzlich – Zeit fürs Abendessen.

Text: Susanna Burger

Wiener Sängerknaben

Am Augartenspitz 1, 1020 Wien
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MuTh – Konzertsaal der Wiener Sängerknaben

Am Augartenspitz 1, 1020 Wien
  • Preise

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    • Haupteingang
      • stufenlos (Doppelschwingtüre   180  cm  breit )
        über Rampe
      • Rampe 600  cm  lang ,   150  cm  breit ,  30  cm  hoch
    • Lift vorhanden
      • 100 cm breit und 155 cm tief , Tür 90 cm breit
    • Weitere Informationen
      • Blindenhunde erlaubt
      • 4 Rollstuhlplätze verfügbar (Parterre rechts 12. Reihe)
      • Behinderten-WC mit barrierefreiem Zugang vorhanden.
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