Oper: Wiener Staatsballett, Erste Solotänzerinnen, Maria Yakovleva, Nina Poláková und Olga Esina
© WienTourismus / Peter Rigaud

Vorhang auf!

Die Wiener Kulturszene gibt kräftige Lebenszeichen von sich und startet selbstbewusst in den Herbst. Denn Kultur braucht der Mensch. Sämtliche Veranstalter haben für ihre Häuser Covid-19-konforme Sicherheits-, Hygiene- und Abstandskonzepte entwickelt, mit angepassten Besucherzahlen. Damit man wieder live, doch sorgenfrei Musik und Theater erleben kann. Und damit Wien auch endlich wieder seinem Ruf als Welthauptstadt der Musik und Kultur gerecht werden kann.

Bühne frei an der Staatsoper

Sie spielt endlich wieder: die Wiener Staatsoper, weltberühmtes und geliebtes Opernhaus. Den glanzvollen Auftakt machte am 7. September die Premiere von Giacomo Puccinis Madama Butterfly. Die gefeierte litauische Sopranistin Asmik Grigorian sang die Cio-Cio-San. Die Premiere signalisierte die Wiederaufnahme des regulären Spielbetriebs – und war zugleich der Auftakt einer neuen Ära: Unter der Direktion von Bogdan Roščić werden 2020/21 zehn ganz zentrale Opern neu auf die Bühne gebracht, mit den wichtigsten Regisseuren, Sängern und Dirigenten der Opernwelt. Roščić zur Seite steht Philippe Jordan als Musikdirektor – er dirigierte übrigens auch die Butterfly-Premiere.

Zazá und Ludwig van

Das Theater an der Wien ist Wiens ältestes (aus 1801) und zugleich jüngstes Opernhaus (2006 als Opernhaus neu eröffnet). Heute gibt es hier Barockoper und modernes Musiktheater. Am 16. September startete die Saison mit der Premiere von Ruggero Leoncavallos Zazá, inszeniert von Christof Loy. Die außergewöhnliche Opernrarität steht Leoncavallos bekanntestem Werk – Der Bajazzo – in nichts nach: Mit einer experimentellen Collage-Technik und sich überlagernden Musiken und Musikstilen entführt uns Leoncavallo in die schillernde Welt des Varietés.

Auch dem Jubilar Beethoven wird Ehre erwiesen: Das Theater an der Wien war einer seiner Wohnorte und Schauplatz der Uraufführung seiner einzigen Oper Fidelio. Gefeiert wird Beethovens 250. Geburtstag mit dem Stationen-Konzert Looking 4 Ludwig (ab 19.9.).

Der Funke springt über

Auf die Tore von Wiens Konzertsälen! Streaming, YouTube oder High-End-Anlagen-Sound erzielen nicht dasselbe Musikerlebnis wie live in Sälen mit traumhafter Akustik, direkt bei den Interpreten.

Der Musikverein – sozusagen Wiens musikalischer Musentempel – hat eine neue Leitung: Intendant Stephan Pauly. Ein erster großer Saison-Höhepunkt sind die Auftritte der Wiener Philharmoniker am 1., 3., 4. und 5. Oktober mit Beethoven-Sinfonien, geleitet von Herbert Blomstedt. Am 4. Oktober singt dann im Großen Saal Mezzosopran Cecilia Bartoli.

Das Wiener Konzerthaus ist eine Bühne voll von musikalischer Vielfalt – von Mittelalter, Renaissance, Barock über Jazz und World über Klassik bis zu den progressiven Tönen der Gegenwart. Top-Interpreten aller Genres sind zu Gast im stimmungsvollen Jugendstil-Ambiente. Die Eröffnung der neuen Saison lag Anfang September in den Händen der Camerata Salzburg, mit festlichem Beethoven-Programm (1. Sinfonie, Violinkonzert). Anders legten es die Philharmonix mit Swing on Beethoven am 5. September an: Reine Lust an der Musik versprühten die sieben Musiker, als sie auf virtuose Weise Klassik, Jazz, jüdische Volksmusik, Latin und Pop miteinander verschmolzen. Am 7. und 8. September gaben der britische Dirigent Daniel Harding, Pianist Rudolf Buchbinder und die Wiener Symphoniker ein wahrlich romantisches Klavierkonzert, mit Werken von Robert Schumann und Richard Strauss (Also sprach Zarathustra).

Oper bis Musical

An der Volksoper Wien sind Oper, Operette, Musical und Tanz zuhause. Also alles. Johann Strauss‘ Operette Die Fledermaus ist zum Saisonauftakt bereits geflattert; im September folgen die Musicals Sweet Charity (von Cy Coleman; Premiere!) und Kiss me, Kate (von Cole Porter), die Opern Carmen (Georges Bizet) und Das Gespenst von Canterville (Marius Felix Lange), Franz Lehárs Operette Die lustige Witwe sowie die Ballettvorstellungen Peter Pan und Hollands Meister.

Apropos Musical: Die Katzen tanzen wieder. Ab 24. September erfüllen Magie, Mystik und Grammy-prämierte Musik das Ronacher – in Andrew Lloyd Webbers Meisterwerk Cats, das seit seiner Wien-Premiere im Vorjahr alle Rekorde sprengt.

Alles Theater

"Die Burg" nennen die Wiener ihre Theaterbühne Nummer eins: das Burgtheater. Zur Eröffnung wurde am 11. September Pedro Calderón de la Barcas Das Leben ein Traum gegeben, inszeniert von Direktor Martin Kušej. Ab 27. September folgt Lucy Kirkwoods Das Himmelszelt, mit fast ausschließlich weiblicher Besetzung (Marie-Luise Stockinger, Sophie von Kessel, u.v.m.).

Das Akademietheater wird von der Burg bespielt – hier fand die österreichische Erstaufführung von Thomas Köcks Antigone. Ein Requiem (nach Sophokles) statt (12.9.).

Das 1788 eröffnete Theater in der Josefstadt wurde 1924 von Max Reinhardt umgebaut – zu einem mit rotem Damast, Goldschmuck und venezianischem Lüster-Prunk ausgestatteten Raum für die "Gegenwartsflucht". In diesem architektonischen Juwel arbeitet heute eine dem Gegenwartstheater verpflichtete Theatertruppe. Die September-Premiere ist Der deutsche Mittagstisch, Dramolette von Thomas Bernhard. Bernhard skizziert in diesen grotesken Miniaturen mit scharfem Blick, Leichtigkeit, Witz, schwarzem Humor und tiefster Menschenkenntnis "kleine" Szenen zu "großen" Themen. Ein Fest für Schauspieler und Publikum.

Übrigens: Zahlreiche Initiativen haben open air schon vorgemacht, wie ein Kulturkonzept Erfolg haben kann in Zeiten wie diesen. Bis 28. September noch im Freien zu erleben: Theater im Park (bis 28.9).

Alle wichtigen Kultur-Termine finden Sie auch in unserer Event-Datenbank

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