Günter Brus am Boden kauernd während einer Performance
© Günter Brus, Ana, 1964, Sammlung Hummel, Wien

Mehr als Wiener Aktionismus

Günter Brus hat in den 1960er Jahren weder sich noch die Öffentlichkeit geschont. Als Pionier der Body Art stellte Brus den eigenen Körper in den Mittelpunkt und wusste damit zu provozieren wie kaum ein anderer Künstler der Nachkriegszeit. Ein Bürgerschreck, zu dessen Mitteln die Selbstverletzung einst ebenso zählte wie der künstlerische Einsatz von Fäkalien. Es waren Aktionen mit denen der Künstler, der heuer 81 wird, einen nachhaltigen Einfluss auf die Performance-Kunst ausübte. Der gebürtige Steirer wurde neben Hermann Nitsch und Otto Mühl, die ebenso radikal zur Sache gingen, zu einem der relevantesten Vertreter des Wiener Aktionismus.

Performance, Malerei, Literatur

Doch Brus ist weitaus mehr als der wohlbekannte Aktionist, der gegen den Mief und die Spießigkeit der Nachkriegszeit öffentlichkeitswirksam revoltierte. Die Retrospektive "Die Einsamkeit des Spätklassikers", die in der Galerie Wienerroither & Kohlbacher im Palais Schönborn-Batthyany zu sehen ist, versucht Brus in seiner Gesamtheit zu erfassen. Ein großes Vorhaben, denn Brus‘ Werk ist auch in quantitativer Hinsicht bemerkenswert. Neben 40 Aktionen schuf er im Lauf der Jahre 30.000 Zeichnungen, Kostüm- und Bühnenbildgestaltungen von Theater bis Oper sowie ein umfangreiches literarisches Werk.

Trip durch die Jahrzehnte

Im Rahmen der Retrospektive sind in den Barockräumlichkeiten des Innenstadt-Palais' rund 120 Einzelarbeiten zu sehen. Damit spannt die Schau einen weiten Bogen, beginnend bei frühen auf Mallorca entstandenen Arbeiten über Fotografien bekannter Aktionen hin zu Zeichnungen der 1970er Jahre. Aber auch Einzelblätter und die ebenso höchst einflussreichen Bild-Dichtungen der 1980er und 1990er Jahre sind Teil der Ausstellung.

Günter Brus - Die Einsamkeit des Spätklassikers

25.9.2019-22.11.2019

Di, Mi, Fr 11-17 Uhr, Do 11-20 Uhr

www.w-k.art

Palais Schönborn-Batthýany

Renngasse 4, 1010 Wien
zu meinem Reiseplan hinzufügen

 

 

Teilen, bewerten und Feedback
Artikel bewerten
Feedback an die wien.info Redaktion

Mit * gekennzeichnete Felder sind verpflichtend.

Anrede *