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Bau der Oper, 1863

Die Entstehung der Ringstraße

Im Dezember 1857 erschienen in der Wiener Zeitung die geschichtsträchtigen Worte Kaiser Franz Josephs: "Es ist mein Wille …". Die Wiener Vororte sollten mit dem imperialen Machtzentrum verbunden werden. In einer Bauzeit von mehr als 50 Jahren entstand die 5,3 Kilometer lange Ringstraße, die bis heute ihresgleichen in der Welt sucht.

Schon am 1. Mai 1865 folgte vor dem Burgtor die offizielle Eröffnung durch Kaiser Franz Joseph. Erst ein Teil der heute 57 m breiten Ringstraße war zu diesem Zeitpunkt vollendet. Wiens Zentrum bot ab dieser Zeit nicht mehr nur der aristokratisch-höfischen Gesellschaft eine Bühne, sondern auch dem Großbürgertum. Und das jüdische Bürgertum, das sukzessive seine vollen Rechte erlangte, errichtete an der Ringstraße prachtvolle Gebäude und lud in seine exklusiven "Salons": Palais Epstein, Todesco oder Ephrussi (bekannt aus dem Bestseller „Der Hase mit den Bernsteinaugen“).

Dazwischen entstanden Bauten kaiserlicher Repräsentation: Neue Burg, Kunsthistorisches Museum, Naturhistorisches Museum, Staatsoper oder Burgtheater etwa. Parallel dazu wurden Bauten errichtet, die dem neuen demokratischen Selbstverständnis der Bevölkerung entsprachen: Parlament, Rathaus, Universität. 27 Cafés beherbergte die Ringstraße in ihrer Hochblüte. Und die prachtvollen Parkanlagen dazwischen dienen heute noch der Erholung. Auch die Musik florierte: Von den Walzer- und Operettenklängen der Strauss-Dynastie und Franz Léhars über Gustav Mahler, der als Direktor die Hofoper revolutionierte, bis hin zur Moderne Arnold Schönbergs vollzog die Wiener Musik im ausklingenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert einen großen Wandel. – Wien war schon zur Ringstraßenzeit die Welthauptstadt der Musik.

Für das heutige Aussehen der Ringstraße waren die besten Architekten verantwortlich, allen voran Theophil von Hansen, Heinrich von Ferstel, Gottfried Semper und Carl von Hasenauer. Ihre Bauten wurden im Stil des Historismus errichtet. Dabei griffen die Architekten auf ältere Stilrichtungen zurück: Renaissance, Barock und Gotik erlebten ihre Wiedergeburt.

So prächtig die Ringstraße auch war und ist: Sie wurde unter größten Anstrengungen errichtet. Die Ziegelproduktion für die Prachtbauten war Schwerstarbeit. Hauptsächlich böhmische und mährische Einwanderer, die so genannten "Ziegelbehm", produzierten den Baustoff unter fast sklavenartigen Bedingungen in den Ziegelfabriken der Stadt.

Fertig gestellt, erfüllte die Ringstraße unterschiedliche Zwecke – und tut dies bis heute: Sie ist eine der wichtigsten Verkehrsadern Wiens, Flaniermeile, ein Ort der Begegnung, Einkaufsstraße und Zeugin historischer Ereignisse. Noch heute finden zahlreiche Kundgebungen und Veranstaltungen auf Wiens berühmtester Straße statt – von der Regenbogenparade bis zum Vienna City Marathon.

Und selbst jener Teil, der oft nicht zum klassischen Ring gezählt wird – der Franz-Josefs-Kai – hat sich zu einem Hot Spot entwickelt: Vom architektonischen Landmark Ringturm am Schottenring bis zur Urania entlang des Donaukanals entstand eine moderne urbane Lokalszene.

Auf der Webseite des Österreichischen Spiele Museums gibt es ein Kartenspiel zum Ringstraßen-Jubiläum zum Gratis-Download.

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