Porträtbild von Oberbereiter Rudolf Rostek - Spanische Hofreitschule
© SRS/Hammerschmid

"Die Pferde vermissen das Publikum"

Die Spanische Hofreitschule ist weltweit einzigartig und zählt zu den Aushängeschildern des imperialen Wien. Rudolf Rostek, seit 1991 in der Spanischen Hofreitschule tätig, spielt als Oberbereiter eine wichtige Rolle in der tagtäglichen Ausbildung der Reiter und Pferde. Ein Gespräch über die neue Situation, die Zeit nach der Krise und inwiefern die Tiere die Veränderungen wahrnehmen.

Herr Rostek, wie ist die Stimmung in der Spanischen Hofreitschule dieser Tage? Wie geht es Ihnen und Ihren Kollegen?

Wir halten sehr zusammen, denn das Wichtigste ist, dass es unseren Pferden in Wien und im Lipizzanergestüt Piber gut geht. In Wien müssen die Schulhengste, die mit Hochleistungssportlern vergleichbar sind, wie Athleten auch weiter trainieren und fit bleiben. Im Gestüt in Piber kommen jetzt laufend die kleinen Fohlen – unsere nächsten Stars von morgen – auf die Welt und somit ist dort, was die Zucht betrifft, eine ganz wichtige und natürlich sehr erfreuliche Zeit für die Gestütsmitarbeiter vor Ort und natürlich für uns hier. Alle unsere Pferde benötigen wie wir Nähe. Das Zusammensein mit den Pflegern und uns Bereitern ist sehr wichtig. Sie würden gemütsmäßig sehr darunter leiden, wenn man die Kommunikation und Zuwendung einschränken würde.

Spüren die Tiere, dass momentan nichts so ist, wie es sein sollte?

Wir tun alles, dass die Pferde nichts merken. Es haben sich zwar manche Abläufe verändert, jedoch nicht das Trainingspensum und auch in der Betreuung bleibt alles gleich. Was sich für die Pferde schon verändert hat, ist, dass auch sie das Publikum sehr vermissen. Die Pferde sind daran gewöhnt, sich zu präsentieren und das ist jetzt natürlich nicht möglich.

Welche Abläufe sind seit Beginn der Krise anders?

Um die Gesundheit unserer Pfleger und des restlichen Teams in keiner Weise zu gefährden, hat die Leiterin der Reitbahn, Geschäftsführerin Sonja Klima, einige Änderungen mit uns ausgearbeitet und eingeführt, die zum ersten Mal seitdem ich hier bin, passieren. Es wurde ein Arbeitsablauf erstellt, bei dem immer nur kleine Gruppen gleichzeitig die Pferde trainieren und im Stall betreuen. Das heißt, es gibt die Gruppe Eins bestehend aus Bereitern, die immer aus den gleichen Personen besteht und ebenfalls eine Gruppe mit Pferdepflegern, die sich in den Stallungen um die Pferde kümmern. Neu ist, dass durch die Aufteilung in kleinen Gruppen in Schichten gearbeitet wird, um die nötige Distanz einzuhalten und wir jetzt auch am Nachmittag Trainings haben.

Inwiefern bedeutet das Thema Hygiene eine Herausforderung?

Die Hygiene-Maßnahmen wurden erheblich gesteigert. Penible Sauberkeit im Stall und in der gesamten Reitschule sind zwar über das ganze Jahr essenziell für die Betreuung der Pferde und natürlich für die Öffentlichkeit, die uns besucht. Doch jetzt desinfizieren wir zusätzlich nach jedem internen Trainingswechsel, damit die Mitarbeiter bestens geschützt sind. All das gab es noch nie, aber es gibt gerade in dieser schwierigen Zeit auch eine schöne Erfahrung für uns, weil wir erleben, wie stark der Zusammenhalt ist.

Sind bereits Aktivitäten für die Zeit nach der Krise geplant?

Wir und unsere Schulhengste werden in dem Augenblick, in dem es wieder möglich ist, in der prächtigen Barockhalle für alle da sein und voller Stolz und Elan die Hohe Schule der klassischen Reitkunst präsentieren. Wir werden uns, wie jetzt in der Mitte der Krise, auf alles einstellen, was erforderlich ist. Die Spanische Hofreitschule wird wieder das Mekka für alle sein, die diese einzigartige Institution mit dem „weißen Ballett“ der elegantesten Pferderasse der Welt, unseren Lipizzanern, erleben wollen.

Auf was freuen Sie sich am meisten, wenn die derzeitige Ausnahmesituation zu Ende ist?

Ich persönlich freue mich, dass das der Zeitpunkt sein wird, wenn jedes Lebewesen, jeder Mensch wieder angstfrei leben kann. Und ich freue mich dann wieder mit meiner kleinen Tochter auf den Spielplatz zu gehen und sie frei herumlaufen zu lassen und sie neue kleine Freunde finden kann, auf die sie zugehen und spielen darf.

Spanische Hofreitschule

Michaelerplatz 1 (Besucherzentrum/Visitor Center), 1010 Wien
  • Vienna City Card

  • Öffnungszeiten

    • täglich, 09:00 - 16:00
  • Barrierefreiheit

    • Haupteingang
      • (Doppelschwingtüre   160  cm  breit )
      • Rampe 100  cm  lang , 40  cm  hoch
    • Parkplätze Haupteingang
      • Behinderten-Parkplätze vorhanden
        im Inneren Burghof
    • Weitere Informationen
      • Behinderten-WC mit barrierefreiem Zugang vorhanden.
    • Spezielle Angebote für Menschen mit Behinderung

      Rollstuhlplätze für die Morgenarbeit und die Vorführungen auf Anfrage.
      Programmauskunft, Preise und Verfügbarkeit auf Anfrage.

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