Sigmund Freud
© Max Halberstadt

Sigmund Freud Superstar

Im Frühjahr 1876 deutete nichts darauf hin, dass der 19-jährige Medizinstudent Sigmund Freud einmal ein großer Wissenschaftler und Erforscher der „Wiener Seele“ werden würde. Im Gegenteil. Er stand – von der ersten Liebe zerrüttet und von Armut geprägt – in der Zoologischen Station in Triest und versuchte, mit dem Seziermesser die Hoden eines Aals zu finden. Sein Anatomielehrer bewunderte den Eifer, den er dabei entwickelte. Die Dissertation 1881 schrieb Freud über das Rückenmark niederer Fischarten. Heute ist Freud weltweit bekannt, zählt immer noch zu den meistzitierten Wissenschaftlern und sein Ruhm ist nach wie vor ungebrochen. Vor allem in China wird er immer populärer. Sein Buch „Traumdeutung“, das er vor 120 Jahren schrieb, ist aktueller denn je. Dazu wird im Mai 2020 das Freud Museum in Wien neu eröffnet und der Streaming-Riese Netflix bringt im Frühjahr 2020 eine österreichische Serie, die in 148 Millionen Haushalten und 30 Sprachen über die Bildschirme flimmern wird: „Freud“ zeigt einen jungen, unfertigen Mann, der als Getriebener mit seinen Theorien aneckte.

„Er war ein Genie“

Mit den Fischen hatte Freud wenig Erfolg. Deshalb begann er 1885 nach einem Studienaufenthalt in Paris sich der Psychopathologie zuzuwenden und Schritt für Schritt die seelische Struktur des Menschen freizulegen. Ein gewagtes Unterfangen. Lust und Aggression; die Unterdrückung von Trieben und Neurosen. Wer will schon hören, dass wir gar nicht Herr im eigenen Haus sind, das Unbewusste mit uns Ringelspiel fährt, und das, was wir von anderen Personen wahrnehmen, nur die Spitze des Eisbergs ist? Die Abgründe, die Freud eröffnet hat, veränderten alles: die Kunst, die Wissenschaft, die Gesellschaft – das Bild vom Menschen.

„Die Zeit war reif, und er war einfach ein Genie“, bringt es Professor Alfred Pritz, Gründungsrektor der Sigmund Freud Privatuniversität Wien, auf den Punkt. „Freud ist eine Leitfigur für das Verständnis der modernen Seele. Er hat auch seine Schwächen gehabt, aber man muss ihn insgesamt als historische Persönlichkeit begreifen. Da gibt es in unserem Sektor keinen auf der Welt, der ihm gleicht.“ Nicht zuletzt deshalb finden 2021 und 2023 ein Neurologie- und ein Psychotherapie-Kongress mit insgesamt rund 9.000 Teilnehmern in Wien statt. Es sei auch eine Großtat gewesen, die Psychoanalyse zu einer lehrbaren Methode zu entwickeln. „Er hat gezeigt, dass man mit einer besonderen, wertschätzenden Beziehung Menschen das Leben erleichtern und sie auch heilen kann“, sagt Pritz. Vielen der „Verrückten“, die durch die Tür von Freuds Privatpraxis in der Berggasse 19 gingen, verschaffte er Erleichterung – bloß mit Gesprächen und einer Couch als Behandlungsinstrument.

Freuds Vermächtnis

Im Wien um 1900 herrschte ein Geist, der seine Arbeit möglich machte. Exzellente Vertreter der Zunft gab es aber auch anderswo. Natürlich hatte Freud Vordenker. Doch er setzte neue Maßstäbe. Sein Vermächtnis wirkte über all die „Jünger“ weiter, die der große Maestro um sich scharte. Viktor Frankl, der die Sinnfrage ins Zentrum seiner Arbeit stellte, ist ein Museum in der Mariannengasse 1 gewidmet. Zeit seines Lebens war Freud in Europa, Nord- und Südamerika bekannt. Und doch plagten den Mann, der sich am Ende jedes Arbeitstages selbst analysierte, weil er unter inneren Konflikten und verkorksten Beziehungen litt, starke Selbstzweifel. Die Kritik an der „unwissenschaftlichen“ neuen Lehre wollte nicht verstummen. Seine Anhänger verehrten ihn umso mehr. Postum sitzt er fest auf seinem historischen Thron. Über den Auftritt bei Netflix hätte er sich bestimmt gefreut.

Sigmund Freud Museum

Berggasse 19, 1090 Wien
  • Preise

    • Kostenlose Audioguides in den Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Russisch
    • Ihr Vorteil mit der Vienna City Card: -29% , -3,50€
  • Öffnungszeiten

    • Mo, 10:00 - 18:00
    • Di, 10:00 - 18:00
    • Mi, 10:00 - 18:00
    • Do, 10:00 - 18:00
    • Fr, 10:00 - 18:00
    • Sa, 10:00 - 18:00
    • So, 10:00 - 18:00
    • Von 1. März 2019 bis Mai 2020 ist das Sigmund Freud Museum wegen Umbauarbeiten geschlossen. Während dieser Zeit übersiedelt das Museum an zwei Standorte in der unmittelbaren Umgebung. Informationen siehe Webseite.
  • Barrierefreiheit

    • Haupteingang
      • 35 Stufen
    • Weitere Informationen
      • Blindenhunde erlaubt
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Ausstellung „Dalí – Freud“

Das Untere Belvedere zeigt von 23.10.2020 bis 7.3.2021 die Ausstellung „Dalí – Freud“, die sich mit dem Einfluss Freuds auf den großen Surrealisten beschäftigt.

Belvedere - Unteres Belvedere & Orangerie

Rennweg 6, 1030 Wien
  • Preise

    • Jugendliche unter 19 J.   €0 €
  • Öffnungszeiten

    • Mo, 10:00 - 18:00
    • Di, 10:00 - 18:00
    • Mi, 10:00 - 18:00
    • Do, 10:00 - 18:00
    • Fr, 10:00 - 21:00
    • Sa, 10:00 - 18:00
    • So, 10:00 - 18:00
  • Barrierefreiheit

    • Haupteingang
      • ( Tür  90  cm  breit )
        Rennweg 6
      • Rampe 600  cm  lang , 200  cm  hoch
    • Lift vorhanden
      • 140 cm breit und 90 cm tief
    • Weitere Informationen
      • Blindenhunde erlaubt
      • Behinderten-WC mit barrierefreiem Zugang vorhanden.
    • Spezielle Angebote für Menschen mit Behinderung

      Führungen für Gruppen in Gebärdensprache (ÖGS) und "Anders-Sehen-Führungen" (Tastführungen), Ermäßigter Eintritt für Menschen mit Behinderungen und Assistenzpersonen.

    • Anmerkungen

      Shop Unteres Belvedere und Orangerie: barrierefrei zugänglich

      Orangerie: barrierefrei zugänglich; Eingang in die Orangerie:  Zugang über Verbindungsgang vom Unteren Belvedere in die Orangerie, 2 einflügelige Glastüren (jeweils 131 cm breit); barrierefreies WC in der Orangerie.

       

       

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Text: Stefan Müller

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