Ampelpärchen Rocks Shop
© Christoph Liebentritt

"Ich musste vor Freude weinen"

Vor drei Jahren sorgten die gleichgeschlechtlichen Wiener Ampelpärchen international für Furore: Plötzlich zierten schwule und lesbische Ampelpärchen zahlreiche Wiener Kreuzungen. Was eigentlich nur als temporäre Einrichtung für den Eurovision Song Contest 2015 in Wien gedacht war, ist mittlerweile aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Seit zwei Jahren führt Michael Bratl gemeinsam mit Peter Rubik den Ampelpärchen Rocks Store, der zahlreiche Artikel im Ampelpärchen-Design anbietet. Im Interview mit LGBT.wien.info verrät Bratl, wie es zu dem ungewöhnlichen Shop kam, wer hauptsächlich dort einkauft und welche Pläne er für die EuroPride 2019 in Wien hat.

Wie kamst du als Hetero-Vater von zwei Kindern auf die Idee, den Ampelpärchen Store zu eröffnen?
Kurz vor dem Eurovision Song Contest 2015 wurden in der Stadt Wien die Ampelpärchen an den Kreuzungen installiert. Die Aktion hat weltweit für große Begeisterung gesorgt. Mit dem Store wollen wir die Ampelpärchen einem breiteren Publikum zugänglich machen. Ich sehe sie als ein Statement für die gelebten Werte hier in Wien: Offenheit, Toleranz und Nächstenliebe. Immer wieder entdecke ich meine Produkte an Menschen auf der Straße. Als ich das erste Mal jemanden mit meinem Beutel in Schönbrunn gesehen habe, musste ich weinen vor Freude.

Euer Shop hat seit zwei Jahren geöffnet. Was war die größte Überraschung?
Unsere zwei wichtigsten Zielgruppen sind die LGBT-Community und Touristen. Die zwei am weitesten gereisten Kunden waren zwei Damen aus Korea und ein Pärchen aus San Francisco, die gezielt unseren Shop gesucht haben. Die zwei Koreanerinnen haben sich sogar auf unserer "Danke-Wand" verewigt. Ich kann leider nicht lesen, was sie geschrieben haben, aber ich hoffe mal, es ist etwas Gutes (lacht). Es ist total verrückt, wenn man bemerkt, welche Reichweite das Thema hat. Einmal hat sogar die chinesische Botschaft etwas bestellt. Außerdem haben wir Kunden in Amerika und Kanada, und nach Russland gingen auch schon einige Pakete. Es ist besonders schön, Leute dort erreichen zu können.

Wie aktivistisch ist eure Arbeit?
Natürlich wollen wir mit unserem Label auch Teil der Community sein. So unterstützen wir zum Beispiel die HOSI Wien (Homosexuelle Initiative Wien) in ihrer Arbeit. Mir geht es darum dort mitzuhelfen, wo wir können. Da ich selbst hetero bin, gibt mir dieser gewisse Abstand einen Blick von außen. Ich konnte so schon etliche Gespräche mit Leuten aus der Community führen, die mir erzählt haben, worum es ihnen wirklich geht: um Liebe, um das Miteinander und nicht um das Trennende und schon gar nicht um Hass.

"In Wien kann man immer etwas Neues erleben."

Was macht für dich Wien als Stadt so besonders?
Die gelebte Vielseitigkeit. Selbst als jemand, der hier wohnt, kann man immer etwas Neues erleben – von der Innenstadt mit der pompösen Architektur aus der Kaiserzeit bis zu den Bezirken mit hippen Shops und Mode-Boutiquen in Gründerzeithäusern. In den Randbezirken erlebt man dann Multikulti-Märkte und erhält kulinarische Köstlichkeiten aus aller Welt. Man taucht jedes Mal in eine andere Bezirkswelt ein, wenn man sich in Wien nur einmal umdreht. Das macht die Stadt für mich so lebenswert und überwältigt mich jedes Mal aufs Neue. Einer meiner Lieblingsplätze von früher ist der Liechtensteinpark im 9. Bezirk. Dort war ich in jungen Jahren der Liebe wegen sehr oft mit meiner Frau. Später haben wir dort im Palais Liechtenstein auch geheiratet.

Was wird es von euch Spannendes zur Vienna Pride im Juni 2018 und zur EuroPride 2019 geben?
Wir stecken gerade mitten in der Planung für unsere neue Kollektion, die wir auch vor Ort im Pride Village verkaufen werden. Wir sind dabei, uns ein wenig von den Ampelpärchen-Designs wegzubewegen und Artikel mit Herzen und in Regenbogenfarben zu machen. Ampelpärchen Rocks ist dann "nur" mehr der Absender. Zur EuroPride 2019 wird es dann noch mehr geben. Wir sind ja der offizielle Merchandiser der EuroPride. Und wir sind einer der wenigen Anbieter in Wien, der wirklich viele Artikel zur Vienna Pride und EuroPride im Angebot hat.

Worin liegt für dich die Faszination der Ampelpärchen?
Im Grunde genommen ist das Design ein sehr einfaches Piktogramm, das aussagt, ob man stehen oder gehen soll. Wir haben es auf eine verspielte Art umgewandelt und hinausgetragen. Es soll nicht ausschließlich auf die Sexualität reduzieren. Meine Kinder sehen die Ampelpärchen zum Beispiel auf einer ganz anderen Ebene: Mein Sohn greift immer zu den Produkten mit den zwei Burschen, die einander im Arm liegen, weil er Freunde hat und meine Tochter immer zu den zwei Mädchen. Das ist das Spannende daran – jeder kann das sehen, was er hineininterpretieren möchte. Die Piktogramme stehen für so viel, für unterschiedliche Altersstufen und soziale, freundschaftliche oder familiäre Verhältnisse, unterschiedliche Herkunft oder eben unterschiedliche Beziehungsformen.

Ampelpärchen.rocks

Otto-Bauer-Gasse 19, 1060 Wien
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