Hofburg

Stadtspaziergang 2

Wir wenden uns nun wieder der Hofburg zu und gehen durch den Inneren Burghof, wo wir an den Durchgängen des Reichskanzleitraktes die „Vier Taten des Herakles“ in Form von kolossalen Statuen des antiken Muskelhelden bewundern. Die haben sicher auch dem schwulen jüngeren Bruder von Kaiser Franz Josef, Erzherzog Ludwig Viktor (1842– 1919), gefallen, der, von seinen Freunden liebevoll „Luziwuzi“ genannt, bei Hofe für seine spitze Zunge allgemein bekannt war und gerne im Fummel auftrat.

Bei einem seiner regelmäßigen Besuche im ‚Centralbade’ (der heutigen Kaiserbründl-Sauna) sorgte er für einen handfesten Skandal, als er von einem Offizier, dem er sich anzüglich genähert hatte, geohrfeigt wurde. Daraufhin verbannte ihn sein kaiserlicher Bruder auf Schloss Klessheim bei Salzburg, wo Luziwuzi 1919 dem Vernehmen nach geistig umnachtet starb.

Wir gehen weiter auf der exklusivsten Einkaufsmeile von Wien – Kohlmarkt und Graben – und kommen schließlich zum Stephansplatz mit dem Stephansdom, Österreichs bedeutendstem gotischen Bauwerk. Ein kleines Stück weiter die Kärntner Straße entlang (zu unserer Linken, in der Weihburggasse, liegt die besagte, einst skandalträchtige Herrensauna Kaiserbründl) führt uns unser Weg abschließend zum Neuen Markt, der vom sogenannten Providentia-Brunnen des Barock-Bildhauers Georg Raphael Donner (1693– 1741) beherrscht wird.

Die zentrale Figur der Providentia (Fürsorge) ist von Personifikationen der vier niederösterreichischen Nebenflüsse der Donau umgeben. Die Enns als greiser Fährmann, die March als reife Frau, die Ybbs als jugendliche Quellnymphe und die Traun schließlich als atemberaubender Jüngling, der sich mit seinem Dreizack über das Wasser beugt und einem Fisch auflauert. Mit der traumhaften Rückansicht dieses kraftstrotzenden Burschen endet unser zweiter Spaziergang.

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