Transkript: Johann Strauss Walk
0 Intro
Johann Strauss (Sohn) war ein echter Superstar. Und er ist es heute immer noch. Ich zeig dir, wo er gelebt und gespielt hat. Wo er geheiratet hat. Und sogar, wo er sich jetzt gerade aufhält.
Keine Musik steht so für Wien wie die von Strauss. In der Strauss-Dynastie hat aber nicht nur er komponiert. Es herrschte härteste Konkurrenz zwischen Johann und seinem gleichnamigen Vater. Schlussendlich trägt heute der Sohn den klingenden Titel „Walzerkönig“. Dabei hat er sich auch gegen seine talentierten Brüder durchgesetzt. Über 500 Werke hat Johann insgesamt geschrieben: Walzer, Polkas, Märsche, Quadrillen, Galopps – und Operetten.
Wie viele kennst du davon? Sicher mehr als du denkst! Alle Musikstücke in diesem Audio Walk wurden vom Wiener Johann Strauss Orchester aufgenommen. Es spielt die Musik von Strauss mit 42 Musikerinnen und Musikern. Genau so wie ursprünglich vom Komponisten gedacht.
Neugierig geworden? Dann nichts wie los, es gibt viel zu entdecken. Und zu hören!
01 Johann Strauss Wohnung
Das wird eine echte Home-Story. Willst du wissen, wie Johann Strauss (Sohn) gelebt hat? In der Praterstraße 54 kannst du seine Wohnung besichtigen. Von 1863 an lebte er mehrere Jahre mit seiner Frau Jetty im ersten Stock, auch “Beletage” genannt, weil da die elegantesten Wohnräume des Hauses liegen. Heute sind dort viele Originalmöbel, persönliche Gegenstände, Instrumente und Fotografien des Komponisten ausgestellt.
Darunter eine Amati-Geige und ein Klavier des befreundeten und weltberühmten Instrumentenbauers Ludwig Bösendorfer. Weil Johann gerne in der Nacht arbeitete, schaffte er sich ein Harmonium an, das du auch hier besichtigen kannst. Diese “Heimorgel” lässt sich leiser spielen als das Klavier. Neben unzähligen Fotos, die dir die Vielfalt der außergewöhnlichen Bartmode von Strauss zeigen, findest du sogar seine Totenmaske.
Und du erfährst alles über den Strauss'schen Alltag. Abgesehen von dem ganzen Ruhm und Glanz war der aber gar nicht so spannend. Da Strauss mit seiner Kapelle bis zu drei Auftritte pro Abend absolviert hat, ist er privat selten ausgegangen. Stattdessen war er extrem fleißig. Er komponierte etwa den weltberühmten “Donauwalzer” hier. Auch ein anderer Ohrwurm stammt aus dieser Zeit: “Geschichten aus dem Wienerwald”. Die reduzierte Streicher-Passage vor der ersten Walzermelodie klingt fast so, als wäre sie als Hausmusik gedacht gewesen. Wahrscheinlich ist diese Melodie sogar in dieser Wohnung auf den ausgestellten Instrumenten gespielt worden.
02 Strauss Denkmal Stadtpark
Zwischen den Bäumen des Wiener Stadtparks blitzt etwas golden hervor. Die Statue von Johann Strauss (Sohn) ist das meistfotografierte Denkmal Wiens. Schon ein Selfie gemacht? Das wäre ganz im Sinne des Bildhauers der Skulptur, Edmund Hellmer. 1921 wurde sie enthüllt – 22 Jahre nach Strauss’ Tod. Dabei spielten die Wiener Philharmoniker, die Strauss selbst noch dirigiert hatte. Das Denkmal erinnert an die goldene musikalische Ära Ende des 19. Jahrhunderts in Wien.
Hellmer entschied sich bei dem Denkmal für einen Schnurrbart, anstatt des bekannten Backenbarts, und für eine Pose mit der Geige. Die war Johanns Hauptinstrument. Als Kind hat er noch heimlich üben müssen. Seine Mutter bezahlte ihm die Stunden, während sein Vater das eigentlich nicht gutgeheißen hat. Johann Strauss Vater war selbst erfolgreicher Komponist und fürchtete angeblich schon früh die Konkurrenz aus der eigenen Familie. Wohl auch zu Recht: Es ist sein Sohn, der hier sein goldenes Denkmal hat.
Aber nicht alles, was glänzt, ist Gold: Die Figur ist im Kern aus Bronze. Golden glänzt sie nur außen. Vielleicht um sie noch fotogener zu machen? Der Rundbogen aus Laaser Marmor mit den tanzenden Relieffiguren und den feinen Blattverzierungen trägt sicher auch dazu bei.
Der Wiener Stadtpark ist dank der Nähe zur Innenstadt ein idealer Ort für eine kurze Pause. Setz dich doch einmal auf eine der vielen Bänke und beobachte das Treiben um dich herum. “Leut’ schauen”, heißt das in Wien. Ich spiel dir die passende Musik dazu. “Wiener Blut” – einer der berühmtesten Walzer von Johann Strauss Mit dieser Melodie kannst du das Lebensgefühl der Wienerinnen und Wiener so richtig spüren. Strauss hat ihnen damit sozusagen ein musikalisches Denkmal gesetzt.
03 Haus der Musik
Die “Pizzicato-Polka” klingt so verspielt, findest du nicht? Sie ist nach der Spieltechnik benannt, die du gerade gehört hast. Pizzicato bedeutet, die Saiten zu zupfen, anstatt sie mit dem Bogen zu streichen. Johann Strauss (Sohn) hat diese Polka gemeinsam mit seinem Bruder Josef geschrieben. Für Späße waren die Sträusse immer zu haben. Der Vater Johann vertont im “Eisenbahn-Lust-Walzer” den Rhythmus einer Dampflokomotive, Bruder Eduard lässt die Polka “Bahn Frei!” mit vom Orchester gemimten Zuggeräuschen starten.
Genauso spielerisch kannst du im Haus der Musik in verschiedene Klangwelten eintauchen. Und das macht nicht nur Kindern Spaß – versprochen! Das interaktive Museum liegt im historischen Palais Erzherzog Karl, das ist schon einmal eine besondere Atmosphäre. Auf der prunkvollen Feststiege kannst du Klavier spielen – Stairplay heißt das. Trittst du auf eine Stufe, hörst du den passenden Ton. Oder hast du schon einmal einen Walzer komponiert? Beim Walzer-Würfel-Spiel geht das einfacher als du denkst. Vielleicht machst du auch Walzerkönig Johann Strauss Konkurrenz ...
Über den erfährst du im 3. Stock einiges. Auch das Museum der Wiener Philharmoniker ist im Eintritt für das Haus der Musik inkludiert. Apropos: An der letzten – und größten – Station des Museums darfst du das berühmteste Orchester der Welt sogar selbst dirigieren! Leider nur virtuell, aber immerhin. Versuch dich doch einmal am bekanntesten Walzer von Strauss, “An der schönen blauen Donau”, und bade danach im Applaus des Publikums. Aber aufgepasst – wenn du den Rhythmus nicht einhältst, hagelt es Kritik von den Musikerinnen und Musikern. Ob die sich das bei Strauss auch getraut hätten?
04 Musikverein
Moment noch, einen kurzen Moment noch, Maestro! Eigentlich unhöflich, ein ganzes Orchester zu unterbrechen, findest du nicht? Der “Donauwalzer” von Johann Strauss (Sohn) ist das einzige Stück, wo das erlaubt ist – durch Klatschen. Und das auch nur, wenn es als traditionelle Zugabe beim weltberühmten Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker gespielt wird. Auf dem Programm steht hauptsächlich Musik aus der Zeit der Strauss-Dynastie. Bestimmt hast du schon einmal die Bilder des Goldenen Saals gesehen, der mit abertausenden Blumen geschmückt ist? Der ist hier im Wiener Musikverein und seine Akustik gilt als eine der besten weltweit. Auch während des restlichen Jahres gibt es Musik auf Weltniveau. Deswegen – und wegen der vielen Säulen in der Architektur – wird der Musikverein auch als “Tempel der Musik” bezeichnet. Kaum ein Star der Klassik-Szene ist hier noch nicht aufgetreten. So auch Johann Strauss. Zu seinem 50-jährigen Künstlerjubiläum 1894 wurde er sogar zum Ehrenmitglied der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien ernannt. Diese verwaltet den Musikverein.
Zurück zum “Donauwalzer”. Eigentlich heißt er ja “An der schönen blauen Donau”, und ist Strauss‘ Welthit Nummer 1. Er gilt sogar als heimliche Hymne Wiens. Nach seiner Uraufführung 1867 hat die Presse zum ersten Mal das Wort “Schlager” für ein Musikstück verwendet. Heute kommt der Walzer in unzähligen Filmen, Serien und Werbungen vor und ist auch Teil der Popkultur. Denk zum Beispiel an die Szene in Stanley Kubricks “2001: Odyssee im Weltraum”. Da tanzen die Raumschiffe durch das All – und das im Dreivierteltakt des Donauwalzers. Genauso wie Homer als Astronaut in den Simpsons. Der große Komponist Johannes Brahms dürfte wegen dieses Stücks ein bisschen neidisch auf seinen Freund Johann Strauss gewesen sein. Nach einem Konzert soll er die Melodie auf einem Fächer einer Dame notiert haben. Dazu die Worte: “Leider nicht von mir ...”.
Hörst du die Melodie auch schon in deinem Kopf? Genug Pause. Maestro, Sie dürfen ...
05 Karlskirche
Johann Strauss und die Frauen. Das ist eine eigene Geschichte, die auch mit der Wiener Karlskirche verknüpft ist. Johann war, wie seine Brüder auch, ein echter Frauenschwarm und legte großen Wert auf sein Äußeres. Vor allem auf seinen Bart. Und er färbte sich die Haare schwarz. Oft haben ihn seine weiblichen Fans um eine Haarlocke gebeten. Klingt heute komisch, war aber damals üblich. Angeblich soll er sie seinem Pudel abgeschnitten haben ...
Hast du das Musikstück zu Beginn erkannt? Die “Annen-Polka” ist eines der meistgespielten Werke von Strauss und allen Frauen mit den Namen Anna, Nina oder Nanette gewidmet. Womanizer Johann gab drei Frauen das Ja-Wort, die hießen aber alle anders.
Die erste Ehe mit der Sängerin Jetty Treffz hielt von 1862 bis zu ihrem Tod 1878. Sie war Johanns Managerin und eine starke Frau an seiner Seite. Danach wurde es turbulent. Nur sieben Wochen später heiratete der 53-jährige Walzerkönig erneut, nämlich die 28-jährige Angelika Dittrich, genannt Lili. Und das hier, in der Wiener Karlskirche. Lili wurde nachgesagt, nur eine Rolle am Theater an der Wien über ihren Ehemann ergattern zu wollen. Sie stürzte sich schließlich in eine Affäre mit Franz Steiner, dem damaligen Leiter des Theaters. 1882 folgte die Scheidung.
Lang blieb Johann auch danach nicht allein. Er verliebte sich in die junge Witwe Adele. Sie trug lustigerweise schon vor der Ehe mit dem Walzerkönig den Nachnamen Strauss. Zufälle gibt’s … Um Adele heiraten zu dürfen, musste der katholische und geschiedene Johann allerdings zum protestantischen Glauben übertreten und sogar die österreichische Staatszugehörigkeit aufgeben. Er wurde dann Staatsbürger des deutschen Herzogtums Sachsen-Coburg und Gotha. Was tut man nicht alles für die Liebe ...? Im Gegenzug hat Adele ihren Mann bis zu seinem Tod 1899 gemanagt und sich auch um seinen Nachlass gekümmert. Eigene Kinder hatte Strauss nämlich mit keiner seiner Frauen.
06 MusikTheater an der Wien
Der Auftakt zur berühmtesten Operette der Welt. Erkennst du sie? Es ist “Die Fledermaus”. Im heutigen MusikTheater an der Wien erklang die Ouvertüre 1874 zum allerersten Mal. Johann Strauss (Sohn) dirigierte sein Werk damals sogar selbst. Dabei war er eigentlich gar kein Operettenfan. Als Komponist für Tanzmusik hatte er Angst vor der Theaterbühne und war gegen die Verbindung von Musik und Text. Der deutsch-französische Komponist Jacques Offenbach legte Strauss bei einem Wien-Besuch jedoch nahe, sich in diesem Fach zu versuchen. Die weitere Überzeugungsarbeit hat dann Johanns erste Frau Jetty Treffz geleistet. Sie hatte als Sängerin beste Kontakte in die Theaterwelt und fädelte die Zusammenarbeit zwischen Strauss und dem Theater an der Wien ein. Ganze 13 seiner insgesamt 15 Operetten wurden auf dieser Bühne uraufgeführt! Darunter auch, „Indigo und die vierzig Räuber“, “Der Zigeunerbaron“ und „Das Spitzentuch der Königin“. Diese Zeit, die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts, nennt man heute die “Goldene Operettenära”.
Gegründet wurde das Theater an der Wien 1801 von Emanuel Schikaneder. Er hat viele Texte zu Mozarts Musik geschrieben, unter anderem für “Die Zauberflöte”. Zahlreiche Uraufführungen berühmter Werke fanden hier statt – von Beethovens “Fidelio” bis zum Musical “Elisabeth”, eine der bekanntesten österreichischen Musical-Produktionen der vergangenen Jahrzehnte. Seit 2006 verschreibt sich das Haus voll und ganz der Oper. Der Name “an der Wien” kommt übrigens vom Wien-Fluss, an dem das Theater liegt. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts fließt er an dieser Stelle jedoch unterirdisch, unterhalb des Naschmarkts, vorbei.
07 Strauss Museum: New Dimensions
Ein eigenes Museum – was für ein Geburtstagsgeschenk! Das hätte selbst den mit Honorationen überhäuften Johann Strauss Sohn richtig gefreut. Sein zweihundertster Geburtstag im Jahr 2025 war nämlich Anlass dafür, das neue Johann Strauss Museum zu eröffnen. “New Dimensions” heißt es, und der Name ist Programm.
Klassisches Museum war gestern – hier kommt neueste innovative Technologie zum Einsatz: Du durchwanderst mit Kopfhörern die Ausstellung und damit die Biografie von Johann Strauss. Je nachdem, wo du dich befindest, hörst du die passenden Informationen, natürlich begleitet von Strauss’ fantastischer Musik. Eine gute Stunde dauert die Zeitreise durch die spannenden sieben Akte seines Lebens, auf einer Ausstellungsfläche von 900 Quadratmetern.
Historische Exponate gibt’s hier nicht zu sehen, sondern Screens mit Videos und Visuals, dazu Drucke, Plakate, Grafiken, Landkarten und einzelne moderne Objekte, gekonnt in Szene gesetzt durch Spiegel in den abgedunkelten Räumen. Die Tonspur zieht dich in die Geschichte hinein – alles zusammen schafft ein faszinierendes audiovisuelles Erlebnis.
Zwei Tipps habe ich noch für dich: Sei kreativ, erschaffe an der Komponiermaschine deinen eigenen Walzer. Und nimm dir Zeit für den letzten großen, immersiven Raum - auch der ist ganz state of the art mit beeindruckenden Visuals.
Wirf noch einen Blick von außen auf das Gebäude, in dem sich nun das Johann Strauss Museum befindet: Ein eleganter Art-Déco-Bau, geschaffen 1923 von den Architekten Hermann Aichinger und Heinrich Schmid. Beide waren Schüler des berühmten Otto Wagner. Ein Architekturjuwel der Wiener Moderne leuchtet übrigens von jenseits der Straße herüber: Die Secession mit ihrer prägnanten goldenen Kuppel. Drinnen sind Gustav Klimts Beethovenfries und zeitgenössische Kunst zu bestaunen.
08 Staatsoper
Du hättest in der Wiener Staatsoper jetzt wahrscheinlich eher mit Opernmusik gerechnet, oder? Auch darin hat sich Johann Strauss (Sohn) versucht. Seine einzige Oper „Ritter Pásmán“ wurde hier uraufgeführt. Mit bescheidenem Erfolg. Was du gehört hast, ist seine Polka “Ballsträußchen” –und von den Wiener Bällen erzähle ich dir jetzt. Die Balltradition in Wien ist weltweit einzigartig. Jedes Jahr am 11. November startet die Saison offiziell. Mehr als 450 Bälle stehen bis zum Frühjahr im Kalender! Der bekannteste davon ist natürlich der Opernball hier in der Wiener Staatsoper. Das allererste Event dieser Art war die Hofopern-Soirée im Dezember 1877, bei der Strauss die Wiener Philharmoniker dirigierte. Ein paar Monate später folgte die erste Redoute im Opernhaus, die ein Redakteur als “Erster Wiener Opernball” bezeichnete.
Heute kommen mehr als 5.000 Gäste zu DEM Society-Event des Jahres. Die TV-Übertragung sehen Millionen. Den ganzen Abend wird getanzt, aber nicht nur Walzer. Nach der Showeinlage um Mitternacht folgt die beliebte Publikumsquadrille. Meistens erklingt dazu die “Fledermaus-Quadrille” von Strauss.
Um 5 Uhr früh ist der Zauber dann vorbei. Am Schluss spielt das Orchester traditionell als letzten Walzer „Brüderlein fein” aus “Das Mädchen aus der Feenwelt oder Der Bauer als Millionär” von Ferdinand Raimund. Diese Melodie soll Johann auch vor seinem Tod 1899 gesummt haben. Kurz davor hatte er noch die Ouvertüre seiner Operette “Die Fledermaus” in der Oper dirigiert – das war sein letzter Auftritt.
Die Wiener Staatsoper ist übrigens die Opernbühne mit dem größten Repertoire weltweit. Bis auf wenige Ausnahmen und die Sommerpause wird sie täglich bespielt. Und für Strauss‘ “Fledermaus” wird auch eine Ausnahme gemacht: Sie ist die einzige Operette am Spielplan.
09 Volksgarten Club
Die Volksgarten Clubdisco ist eine der angesagtesten Party-Locations in Wien. Aber was hat er mit Johann Strauss zu tun? Mehr als du glaubst! Früher fanden hier im Cortischen Kaffeehaus regelmäßig rauschende Konzerte statt mit bis zu 1.500 Besucherinnen und Besuchern. Eine Tradition, die Johann Strauss Vater mit seinem Komponisten-Kollegen Joseph Lanner eingeführt hat. Strauss Sohn trat nach dem Tod des dominanten Vaters endlich aus dessen Schatten hervor. Auch die Leitung der Kapelle im Volksgarten hat er übernommen – und brachte Wien dann so richtig zum Tanzen. Dabei war er selbst überzeugter Nicht-Tänzer. Kurios, oder?
Am 10. März 1867 ist hier Historisches passiert: Die Instrumentalversion des bekanntesten Walzers der Welt wurde uraufgeführt. Du weißt bestimmt schon, welchen ich meine: “An der schönen blauen Donau”, oder auch einfach nur „Donauwalzer“.
Die gebogene Form des damaligen Kaffeehauses besteht noch heute und wird liebevoll “Volksgarten-Banane” genannt. Nach dem zweiten Weltkrieg gestaltete der Architekt Oswald Haerdtl das Lokal zu einem Tanzcafé im Stile der 1950er um. Heute ist der “VoGa”, wie der Nachtclub in Wien genannt wird, immer noch ein Hotspot. Mit großem Outdoor-Areal und mehreren Dancefloors. Was würde Johann Strauss heute hier wohl als DJ auflegen?
Im eigentlichen VolksGARTEN, also der Parkanlage, sind die Rosen die Stars. Um die 400 Sorten sind hier gepflanzt, darunter die “Perle vom Wienerwald” in Zartrosa. Hast du schon die Schilder neben den Rosenstöcken gesehen? Du kannst eine Patenschaft übernehmen und „deine“ Rose jemandem widmen. Lies mal, welche Liebesbeweise hier in der Öffentlichkeit stehen. Wie romantisch! Genauso wie der passende Strauss-Walzer “Rosen aus dem Süden”.
10 House of Strauss
Was sich reimt, ist gut! Das House of Strauss ist ein buntes und modernes Museum, in dem du alles über eine der berühmtesten Wiener Familien erfahren kannst. Und das in spannender audiovisueller Inszenierung und in historischem Ambiente. Im akustisch brillanten Strauss-Saal finden auch Konzerte statt. Das Gebäude, in dem sich das House of Strauss befindet, ist das Casino Zögernitz. Heute wie damals ist dieser Ort ein Kulturtreffpunkt. Im Sommer 1850 veranstaltete Johann Strauss (Sohn) hier ein großes Volksfest mit Ball und Feuerwerk. Ab 1880 ist die Strauss Familie hier regelmäßig mit dem eigenen Orchester aufgetreten. Auf dem Parkett wurde viel getanzt und gefeiert. Und wo Menschen zusammenkommen, wird natürlich auch eines – geplaudert und getratscht.
Die “Tritsch-Tratsch-Polka" hat Johann Strauss (Sohn) als eine Art Dankeschön an das Magazin “Humoristisch-satyrische Wochenschrift Tritsch-Tratsch" komponiert. Dieses druckte nämlich 1858 eine Karikatur des Walzerkönigs in der Serie “Wiener bekannte Persönlichkeiten”. Die Boulevardpresse hatte auch viel über die drei musikalischen Strauss-Brüder Johann, Josef und Eduard zu berichten. Der “schöne Jean”, der “flotte Pepi” und der “fesche Edi” wurden sie genannt. Und umschwärmt wie eine Boygroup heutzutage. Die Aufmerksamkeit beschränkte sich nicht nur auf Wien – die Tourneen der Strauss-Kapelle haben Johann quer durch Europa und sogar nach Nordamerika geführt. Da gab es bestimmt auch jede Menge Tritsch-Tratsch-Potenzial. Aber wie das auch heute noch bei echten Superstars gilt: “Was auf der Tour passiert – bleibt auf der Tour!” Oder es kommt auf eine Info-Tafel ins House of Strauss.
11 Johann Strauss Grab
Du hörst gerade den Beginn des Walzers “Künstlerleben”. Ein solches hatte Johann Strauss (Sohn) wahrlich hinter sich. Klingt ganz schön sentimental, nicht? Am 3. Juni 1899 starb der Walzerkönig mit 73 Jahren an einer Lungenentzündung. Am Wiener Zentralfriedhof wurde er in einem Ehrengrab bestattet. Heute ist es eine Pilgerstätte für seine Fans. Die Symbole auf seinem Grabmal sind durchwegs musikalisch: eine Fledermaus für die gleichnamige Operette, ein Walzer tanzendes Paar für seine Tanzmusik und Wasser für den Donauwalzer.
Johann Strauss selbst hasste Begräbnisse eigentlich. Letztlich war er nur auf einem einzigen anwesend – nämlich seinem eigenen. Tausende Menschen haben den Sarg von der Wiener Innenstadt am Weg zum Zentralfriedhof an den Stadtrand begleitet. Strauss war eben ein echter Superstar. Andere Musikstars ruhen ebenfalls in der Nähe: Beethoven, Brahms, Schubert oder Wiens Pop-Ikone Falco. Auch Johann Strauss Vater. Nach Rivalität untereinander im Leben liegen die beiden nun friedlich nebeneinander.
Der Wiener Zentralfriedhof hat mehr “Einwohnerinnen und Einwohner”, wenn man sie so nennen darf, als Wien selbst. Rund 3 Millionen Menschen sind in knapp 330.000 Grabstellen bestattet. 1874 fand die Eröffnung statt. Er ist Europas zweitgrößter Friedhof. Und nicht nur das. Die Wiener Bevölkerung nutzt ihn als Erholungsraum, mit offizieller Laufstrecke, Kaffeehaus, Würstelstand und sogar einem Areal für Urban Gardening. Den Wienerinnen und Wienern sagt man ja zu Recht ein besonderes Verhältnis zum Tod nach. Die imposante Friedhofskirche zum Heiligen Karl Borromäus ist ein richtiges Sightseeing-Highlight des Wiener Jugendstils. Und im Bestattungsmuseum findest du Skurriles wie einen Rettungswecker, gedacht für lebendig Begrabene. Leider hat Strauss diesen nicht geläutet. Er weilt wohl, anders als es Elvis nachgesagt wird, wirklich nicht mehr unter uns.