Frau mit einem Handy blickt auf Wien

Transkript: Sisi Guide

 

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Der 24. Dezember 1837 war ein Freudentag in München. Elisabeth Amalie Eugenie ist an diesem Heiligen Abend auf die Welt gekommen. Schon bei der Geburt war sie mit einem Milchzahn ausgestattet. Der galt als Glücksbringer. Doch das Glück sollte Elisabeth, genannt Sisi, nach ihrer Hochzeit mit dem österreichischen Kaiser Franz Joseph bald verlassen. Zahlreiche Schicksalsschläge musste sie verkraften. Selbst ihr Tod war dramatisch: Am 10. September 1898 ist Sisi am Genfer See erstochen worden.

Mehr als 125 Jahre nach ihrem Tod hat ein neuer Sisi-Boom eingesetzt: Serien, Kinofilme, Bücher und die Wiederholungen der legendären Sissi-Trilogie mit Romy Schneider halten die Erinnerung an Kaiserin Elisabeth aufrecht.

Doch wer war Sisi wirklich? Das kannst du am besten in Wien erleben. Viele Schauplätze von damals erinnern heute noch an sie. Neugierig geworden? Dann begib dich mit mir auf Spurensuche. Ich zeige dir die ultimativen Sisi Hot Spots in Wien.

01 Schloss Schönbrunn

Du stehst gerade vor einem der prächtigsten Schlösser Europas, dem Schloss Schönbrunn. Unter Kaiserin Maria Theresia ist es massiv ausgebaut worden. Fast 1.500 Zimmer gibt es in dem Schloss. 45 davon kannst du besichtigen. Darunter sind auch einige Zimmer, in denen Sisi gewohnt, gearbeitet und sogar geturnt hat. Du kannst hier zum Beispiel Elisabeths Toilettezimmer und ihren Salon bewundern. Im Marie Antoinette Zimmer hat sie mit ihrer Familie gegessen, wenn sie ausnahmsweise einmal in Wien war. Und im so genannten Stiegenkabinett hat die Kaiserin Briefe, Tagebücher und Gedichte verfasst. Eine begnadete Dichterin war Sisi zwar nicht. Doch ihre Gedichte helfen heute Flüchtlingen. Wie es dazu gekommen ist? Sisi war das Thema Flucht ein großes Anliegen. Und sie hat verfügt, dass die Erlöse des Verkaufs ihres poetischen Tagebuchs nach ihrem Tod Flüchtlingen zugutekommen. Die Österreichische Akademie der Wissenschaften hat das Tagebuch schließlich veröffentlicht. Bis heute sind 30.000 Euro an die UNO-Flüchtlingsorganisation UNHCR übergeben worden.

Aber zurück ins Schloss. Die Innenausstattung ist prachtvoll. Das legendäre Schloss Versailles nahe Paris war Vorbild. Hier haben die Habsburger Hof gehalten, hochrangige Gäste empfangen und sind durch die vielen Zimmer und den Garten gelustwandelt. Den Rundgang durchs Schloss solltest du dir also keinesfalls entgehen lassen. Zusätzlich kannst du auch virtuell ins Leben von Sisi und Franz eintauchen. Mit einer aufwändig gestalteten Virtual Reality Experience. 

Wenn du dann wieder zurück in der Realität bist, solltest du raus aus dem Schloss. Denn auch der riesige Schlosspark hat einiges zu bieten. Die barocke Gartenlandschaft beheimatet zahlreiche Brunnen, versteckte Ecken und wunderschöne Pflanzen. Hier kannst du stundenlang spazieren gehen und immer etwas Neues entdecken. Auch der älteste bestehende Zoo der Welt ist perfekt in die Parklandschaft integriert. 

Du möchtest essen wie eine Kaiserin? Dann solltest du zum krönenden Abschluss deines Besuches in Schönbrunn unbedingt auf den Hügel zur Gloriette spazieren. Von dort hast du den besten Blick auf das Schloss und den Park sowie über Wien. Das Café war früher der Frühstücksraum von Kaiser Franz Joseph. Dort kannst du das Sisi-Frühstücks-Buffet im imperialen Ambiente genießen. Guten Appetit!

02 Kaiserliche Wagenburg

Gleich neben dem Schloss Schönbrunn wartet die Kaiserliche Wagenburg auf deinen Besuch. Dieses Museum beheimatet vor allem die prunkvollen Kutschen der Habsburger. Und davon hatten sie viele. Für jeden Anlass stand den Majestäten und kaiserlichen Hoheiten ein anderes Gefährt zur Verfügung. Für Sisi-Fans spannend sind vor allem die Kutschen für ihre Hochzeit in Wien 1854 und für die Krönung zur ungarischen Königin in Budapest 1867. Für den Event in Ungarn kam der besonders beeindruckende Imperialwagen zum Einsatz, der vornehmste Wagen des Wiener Hofes. Dessen Gebrauch war ausschließlich für Krönungen vorbehalten. 

Nicht weniger beeindruckend ist der Wagen, mit dem Sisi ihre letzte Reise in die Kapuzinergruft angetreten hat: der schwarze Leichenwagen. Diese prunkvolle und ziemlich gruselige Kutsche wurde nur für die Begräbnisse der höchsten Mitglieder des Hauses Habsburg verwendet. 1989 kam sie noch einmal für die Beisetzung der letzten österreichischen Kaiserin Zita zum Einsatz. Danach wurde sie ausgemustert. Acht Pferde waren nötig, um den schweren, über 6 Meter langen Wagen zu bewegen.

Apropos Pferde: Sisis große Leidenschaft waren Pferde, die nicht vor Kutschen gespannt wurden. Die sportliche Kaiserin war nämlich eine leidenschaftliche und exzellente Reiterin, die wie eine Wilde durchs Gelände galoppiert ist. In der Kaiserlichen Wagenburg sind auch einige Reitutensilien ausgestellt wie zum Beispiel Sisis Reithandschuhe, ihr prächtiger roter Damensattel und sogar Gemälde ihrer Pferde. Ein Highlight ist auch Sisis berühmtes schwarzes Hofkleid mit meterlanger Schleppe. Es zeigt eindrucksvoll, wie groß und schlank Sisi tatsächlich war. Vor allem ihre weltberühmte Wespentaille kommt in diesem Kleid perfekt zur Geltung. Nur 50 Zentimeter Taillenumfang sollen es gewesen sein – natürlich zusammengeschnürt mithilfe eines Korsetts. Kannst du dir vorstellen, so etwas täglich zu tragen? Also ich nicht.

03 Hermesvilla

Je länger Sisi in Wien lebte, desto mehr zog es sie in die Welt hinaus. Ihre Reisen dauerten oft Monate und waren eine Flucht vom langweiligen Wiener Hof und ihrem noch langweiligeren Ehemann Franz Joseph. Der wollte aber, dass die umtriebige Kaiserin bei ihm in Wien blieb. Deshalb hat er ein kleines Schloss für seine Frau in Auftrag gegeben, in dem sie sich wohlfühlen sollte. Sisi war anfangs auch total begeistert und hat diesen Bau „Schloss der Träume“ genannt. Heute ist das Gebäude unter dem Namen Hermesvilla bekannt, weil im Garten eine Statue von Hermes, dem griechischen Götterboten, steht. Franz Joseph hat keine Kosten und Mühen gescheut: Ringstraßen-Architekt Carl von Hasenauer wurde von ihm mit dem Bau beauftragt. Für die Innenausstattung hat der Kaiser die damals berühmtesten Künstler engagiert, darunter Gustav Klimt. Im Schlafzimmer steht ein riesiges Prunkbett aus dem 18. Jahrhundert, die Wandmalereien sind mit Motiven aus William Shakespeares Sommernachtstraum gestaltet. Luxus pur. Nur das Beste für Ihre Majestät. Doch nach ihrer anfänglichen Begeisterung wurde es Sisi auch hier recht schnell zu eng, und sie hat ihre Reisen wieder aufgenommen. Sehr zum Leidwesen des Kaisers. 

Im ersten Stock der Villa findest du eine Ausstellung. Viele Fotos, Pläne und auch private Stücke von Sisi und Franz Joseph geben dir einen Einblick, wie die beiden abseits des strengen Hofzeremoniells gelebt haben. In der Hermesvilla gibt’s auch ein Lokal mit einer tollen Terrasse, auf der du neben köstlichen Speisen auch die Villa und den Blick auf den Park genießen kannst. 

Die Hermesvilla liegt nämlich inmitten des riesigen Lainzer Tiergartens am Stadtrand im Westen Wiens. In diesem riesigen Naturschutzgebiet mit zahlreichen heimischen Tierarten kannst du perfekt wandern und dich auf die Pirsch begeben. Aber Achtung: Während der Lainzer Tiergarten das ganze Jahr über gratis besucht werden kann, hat die Hermesvilla nur zwischen Mitte März und Ende Oktober geöffnet.

04 Technisches Museum Wien

Du fragst dich sicher, was Sisi mit Technik zu tun hat? Auf den ersten Blick gar nichts. Aber das Technische Museum Wien hütet einen besonderen Schatz: den Hofsalonwagen der Kaiserin Elisabeth. Und damit ist nicht irgendeine Kutsche gemeint, sondern ein richtig fetter Eisenbahnwaggon, in dem Sisi herumgereist ist. 1873 ist dieser Waggon für Elisabeth gebaut worden. Davor war das Reisen mit der Bahn ziemlich ungemütlich. Zumindest für eine Kaiserin. Die Wagen waren nur schwer zu beheizen, ein Klo gab’s auch nicht. Der neu hergestellte Waggon konnte leicht geheizt werden, bestand aus einem Schlafsalon mit Bett, einem kleinen Raum mit Toilettetisch und einem WC. 1891 ist der Waggon in den neu gebauten Hofzug integriert und modernisiert worden. Er hat Stahlräder und Bremsen bekommen und der Radstand wurde vergrößert. Aber auch Heizkörper für die Dampfheizung sowie eine elektrische Beleuchtung sind eingebaut worden. So hat es sich gut reisen lassen. 

Doch wie ist der fast 10 Meter lange und 18 Tonnen schwere Waggon ausgerechnet im Technischen Museum Wien gelandet? Nach der Ermordung Sisis wurde der Wagen aus Pietätsgründen außer Dienst gestellt und ein paar Jahre später übergab man ihn dem neu gebauten Technischen Museum. Das war eine sehr kluge Entscheidung. Denn der prächtige, aus acht Waggons bestehende Hofzug ist nach dem Ersten Weltkrieg spurlos verschwunden. Zwar ist der Waggon heute nur von außen zu besichtigen, aber durch die Glasfenster kannst du natürlich einen Blick ins Innere werfen. Einen Nachbau der Inneneinrichtung kannst du im Sisi Museum in der Hofburg sehen. 

05 Sisi Museum

Ein absolutes Muss für dich als Sisi-Fan sind das Sisi Museum und die daran angeschlossenen Kaiserappartements. Wenn du aber jetzt Sisi-Kitsch und historische Verklärung erwartest, bist du hier definitiv falsch. Denn das Sisi Museum räumt mit vielen Mythen auf. Hier kannst du die echte Sisi kennenlernen.

Über 300 Exponate erwarten dich. Darunter sind Schirme, Fächer, Handschuhe, Kleidungsstücke, Schönheitsrezepte und ihr Milchglas samt Reiseschatulle. Auch makabre Ausstellungsstücke gibt’s zu sehen: Sisis Reiseapotheke samt Kokainspritze, die gegen ihre Menstruationsbeschwerden zum Einsatz gekommen ist, der originale Totenschein der Kaiserin und ihre Totenmaske. Ebenfalls ausgestellt: ein zehnzackiger Stern mit einer Mabé-Perle in der Mitte. Der Stern stammt aus dem Set von Sisis weltberühmte Diamantsternen. Elisabeth hat sie als Haarschmuck oder zusammengesteckt als Diadem getragen. Du kennst diese Sterne sicher von dem weltberühmten Sisi-Gemälde von Franz Xaver Winterhalter, das im Sisi Museum hängt. Es zeigt die 28-Jährige mit Diamantschmuck im Haar und im Sternenkleid. Diese Modeschöpfung eines berühmten Pariser Couturiers hat Elisabeths Schönheit international bekannt gemacht. Die Diamantsterne werden heute noch vom Wiener Juwelier A.E. Köchert hergestellt. 

Auch Sisis zahlreichen Reisen sind Thema. Die Inneneinrichtung ihres ehemaligen Schlafwagens, der im Technischen Museum Wien ausgestellt ist, ist für das Museum nachgebaut worden. Damit du dich auch einmal wie eine Kaiserin auf Reisen fühlen kannst.

Wichtige Aspekte sind auch die Todessehnsucht der Kaiserin und das Attentat auf sie. Ihr Leben lang hat Elisabeth mit dem Tod kokettiert. Diese Hass-Liebe ist auch das zentrale Motiv des Musicals „Elisabeth“, das von Wien aus seinen Erfolgszug um die Welt angetreten hat. Den Song „Ich gehör nur mir“ hast du sicher schon einmal gehört.

Aber lassen wir den Tod jetzt lieber hinter uns. In den ans Museum anschließenden Kaiserappartements geht es nämlich um das Leben Kaiser Franz Josephs und Elisabeths in der Hofburg. Über 600 Jahre war die Hofburg die Residenz der Habsburger. Sie ist einer der größten Palastkomplexe der Welt. Der Rundgang führt von Zimmer zu Zimmer und du hast die einmalige Möglichkeit, in die private und prachtvolle Lebenswelt des kaiserlichen Paares einzutauchen. Besonders spannend ist das Turn- und Toilette-Zimmer. Hier hat sich Sisi am häufigsten aufgehalten. Hier wurde sie frisiert. Hier hat sie trainiert. Die Sprossenwand, das Reck und die Ringe im Türrahmen sind sogar noch erhalten. 

06 Kaiserliche Schatzkammer

Wenn du auch so auf Bling Bling stehst wie ich, dann ist ein Stopp in der Kaiserlichen Schatzkammer in der Wiener Hofburg Pflicht. Hier ist tatsächlich alles Gold, was glänzt. Höhepunkt sind die bedeutendsten mittelalterlichen Kronjuwelen der Welt: die Insignien des Heiligen Römischen Reiches, das vom Mittelalter bis kurz nach 1800 existierte. Hauptstück ist die legendäre Reichskrone aus Gold und verziert mit zahlreichen Edelsteinen. 

Auch Schmuckstücke aus dem Besitz der Kaiserin Elisabeth kannst du sehen. Allerdings nur mehr vier Broschen. Sisi hatte natürlich viel mehr Schmuck. Eine Kaiserin musste ja glänzen. Zu den habsburgischen Kronjuwelen gehörten Diademe, Colliers, Armbänder, Broschen, Ohrringe, eine Diamantkrone sowie zwei wertvolle Edelsteine mit den ungewöhnlichen Namen Frankfurter und Florentiner. Letzterer hatte mehr als 137 Karat und galt damals als viertgrößter Diamant der Welt. Diese Schmuckstücke sind 1918 im Auftrag des letzten Kaisers von Österreich aus der Schatzkammer entwendet, in einer Nacht-und-Nebel-Aktion in die Schweiz gebracht und verkauft worden. Von diesen Kronjuwelen fehlt bis heute jede Spur. Was für ein Verlust.

Bevor du jetzt aber enttäuscht aus der Schatzkammer gehst, hab‘ ich noch ein spezielles Exponat für dich, das auch mit Sisi in Verbindung steht: Viele Habsburger-Kaiser und -Kaiserinnen sind ja in der Wiener Kapuzinergruft begraben. Auch Sisi. Und die Särge dort sind mit zwei Schlüsseln versperrt. Einer davon ist bei den Kapuzinermönchen geblieben. Der andere ist vom Obersthofmeister übernommen und in die Schatzkammer gebracht worden. Und genau dort kannst du heute noch einen Blick auf den prachtvollen Holzschrank werfen, in dem die Zweitschlüssel zu den Särgen vieler verstorbener Habsburger verwahrt werden. Darunter auch jener vom Sarg Kaiserin Elisabeths. 

07 Augustinerkirche

24. April 1854. 19 Uhr. Eine ziemlich ungewöhnliche Tageszeit für eine Hochzeit, findest du nicht auch? Die Wiener Augustinerkirche, die Hochzeitskirche der Habsburger, ist bis auf den letzten Platz gefüllt. 70 hochrangige Kirchenfürsten und viele Verwandte haben sich eingefunden, um der Hochzeit von Kaiser Franz Joseph und der Herzogin Elisabeth in Bayern beizuwohnen. Sisi ist erst 16 Jahre alt, der Kaiser bereits 23. Es muss beängstigend für die blutjunge Kaiserin in spe gewesen sein, in so einem Setting vor den Traualtar zu treten. Doch zu diesem Zeitpunkt hat es keinen Weg mehr zurückgegeben. 

Obwohl Elisabeth und Franz Joseph einander wirklich mochten, ist die Ehe von Anfang an unter keinem guten Stern gestanden. Du möchtest wissen, was Sisi später über das Heiraten wirklich dachte? – „Die Ehe ist eine widersinnige Einrichtung. Als fünfzehnjähriges Kind wird man verkauft und tut einen Schwur, den man nicht versteht und dann 30 Jahre oder länger bereut und nicht mehr lösen kann.“ Sisi hat sich immer mehr von Franz Joseph zurückgezogen. Vielleicht hat sie ihm sogar das Herz gebrochen.

Das wurde zwar nicht in der Augustinerkirche begraben, dafür aber viele andere Herzen der Habsburger. Ja, du hast richtig gehört: Die Herzen der Habsburger haben eine Sonderbehandlung bekommen. Denn die Habsburger wurden früher dreigeteilt. Nach dem Tod sind zuerst das Herz und die Eingeweide entnommen worden. Danach wurden die Körper in der Kapuzinergruft beerdigt. Die Eingeweide haben ihre letzte Ruhestätte in der Herzogsgruft unter dem Stephansdom gefunden, die du auch besichtigen kannst. Und die Herzen landeten dann in der Augustinerkirche. Insgesamt 54 Urnen mit den Herzen der Habsburger werden in der Herzgruft aufbewahrt. Das letzte Herz, das hier bestattet worden ist, war jenes von Sisis Schwiegervater Franz Karl. Jeden Sonntag nach dem Hochamt am Vormittag kannst du die Herzgruft besichtigen.

08 Volksgarten

Brauchst du eine Pause auf deiner Sisi-Tour durch Wien? Dann empfehle ich dir einen Abstecher in den Volksgarten gleich neben der Hofburg. Im Zentrum steht ein Tempel im antiken Stil und jedes Jahr blühen hier unzählige Rosen, die einen betörenden Duft verbreiten. Dafür ist der Volksgarten bekannt. Was viele jedoch nicht wissen: In einer pittoresken Ecke des Parks steht das Kaiserin-Elisabeth-Denkmal. Mein Tipp zur Orientierung: Wenn du den Park von der Seite des Burgtheaters betrittst, musst du nur scharf links abbiegen, um zum Denkmal zu kommen.

Die Errichtung dieses malerischen Ortes war jedenfalls eine ziemliche Prozedur: Als Ergebnis eines Wettbewerbs wurden fast 70 Entwürfe eingereicht. Der Gewinner-Entwurf stammte von Friedrich Ohmann. Das Denkmal ist eine secessionistische Gartenanlage mit Anklängen an Antike, Renaissance und französische Stile. Ganze drei Jahre wurde an dem Monument gebaut. Was damals niemand wissen konnte: Es war das letzte in Wien errichtete Habsburgerdenkmal, das schließlich im Juni 1907 in Anwesenheit von Kaiser Franz Joseph enthüllt wurde. Das Denkmal zeigt Sisi als Privatmensch mit einem Buch, Rosen und zwei Hunden links und rechts am Fuße der Statue. Auf einer Mauer hinter dem Denkmal steht geschrieben: „Ihrer unvergesslichen Kaiserin Elisabeth errichteten dieses Denkmal in unwandelbarer Liebe und Treue Österreichs Völker 1907.“ Schon damals war Sisi ein Star.

Der Besuch dieser beschaulichen Ecke des Volksgartens lohnt sich wirklich. Denn auch ein kleiner Teich wurde vor der zweieinhalb Meter hohen sitzenden Sisi-Statue angelegt. Drumherum gibt’s viele Pflanzen. Die meisten wissen gar nicht, dass dieser fast schon meditative Ort im Volksgarten existiert. Du hast also gute Chancen, dort ein paar Minuten allein mit Sisi zu verbringen.

09 Kapuzinergruft

Sisis Ermordung am 10. September 1898 sorgte weltweit für große Bestürzung, die Anteilnahme war riesig. Wie es sich für eine Monarchin ihres Kalibers gehörte, ist sie mit viel Pomp in der Wiener Kapuzinergruft beigesetzt worden. Dort findest du ihren Sarg an der Seite ihres Mannes Franz Joseph und ihres Sohnes Kronprinz Rudolf in der so genannten Franz Josephs Gruft. Die hat der Kaiser für sich, seine Frau und seinen Sohn errichten lassen. Im Tode war Franz Joseph also endlich wieder mit seiner geliebten Sisi vereint. Schau genau hin, denn vor Sisis Sarg wirst du ziemlich sicher Blumen oder Karten finden, die Fans der legendären Kaiserin auch heute noch hier ablegen.

Sisi und Franz Joseph sind in der Kapuzinergruft in bester Gesellschaft. Denn in den vergangenen rund 400 Jahren wurden hier 150 Habsburger begraben, darunter 12 Kaiser und Könige sowie 19 Kaiserinnen und Königinnen. Die Kapuzinergruft in Wien ist damit weltweit die bedeutendste Begräbnisstätte eines ehemals regierenden Herrscherhauses. Die Särge sind prunkvoll gestaltet und spiegeln die unterschiedlichen Kunstepochen wider. 

Noch ein Tipp: Die Temperatur in der Kapuzinergruft beträgt konstant 20 Grad. Wenn du dich im Sommer also abkühlen und spektakuläre Sarkophage sehen willst, bist du hier genau richtig. 

10 Möbelmuseum

Kannst du mit Sätzen wie „Franz, komm schnell raus, g’schneit hat´s!“, „Es hämmert, es hämmert.“, „Hurra, Knödel essen!“ oder „Na bravo!“ etwas anfangen? Dann musst du einen Abstecher ins Möbelmuseum Wien machen. Dort hast du die Möglichkeit, auf die echte Sisi und auf die Sissi aus der legendären Filmtrilogie zu treffen. Im Möbelmuseum sind die wertvollen Möbel der Ex-Kaiserfamilie eingelagert und ausgestellt. Und viele davon wurden in den 1950ern für den Dreh der drei weltberühmten Sissi-Filme mit Romy Schneider und Karlheinz Böhm verwendet. Im Schloss Schönbrunn oder in der Hofburg durfte nämlich nicht gefilmt werden. Die Kulissen mussten also in einem Studio nachgebaut werden. Nur die Möbel waren echt. 

Und die kannst du dir im Möbelmuseum anschauen. Und das sogar multimedial. Das originale Mobiliar aus der Zeit Kaiser Franz Josephs und Elisabeths ist wie in den Filmszenen arrangiert. Daneben sind Bildschirme angebracht, die die dazugehörigen Szenen aus den Filmen zeigen. Fotos, Plakate und Programmhefte sowie Informationen über den Regisseur Ernst Marischka und die Schauspieler sind ebenfalls zu sehen.

Romy Schneider hat ja nicht so eine Freude mit den Filmen gehabt. Zwar feierte sie damit ihren großen Durchbruch, aber in einem Interview hat sie später gesagt: „Sissi pappt an mir wie Grießbrei.“ Viel Kitsch, beeindruckende Bilder und die damals populärsten Schauspielerinnen und Schauspieler waren das Geheimrezept der Trilogie. Ausgespart wurden aber die Schicksalsschläge in Sisis Leben. Die heile Filmwelt damals hat nur wenig Drama erlaubt. Der Erfolg hat den Machern aber Recht gegeben: Fast 25 Millionen Kinobesucher machten das Epos zu einem der größten Erfolge des deutschsprachigen Kinos. Auch heute schauen noch Millionen Menschen die Filme alljährlich rund um Weihnachten im Fernsehen.

Aber zurück zum Möbelmuseum: Hier gibt’s noch viel mehr Mobiliar der Habsburger zu sehen. Zum Beispiel die prachtvolle Wiege von Kronprinz Rudolf und sein Sterbebett aus Mayerling. Oder Sisis Waage. Auch eine Replik des legendären Winterhalter-Bildes von Kaiserin Elisabeth ist ausgestellt. Das Original findest du in den Kaiserappartements in der Hofburg. 

11 Josephinum

Es ist der 10. September 1898. 13.30 Uhr. Sisi eilt mit ihrer Hofdame von ihrem Genfer Hotel zum Raddampfer, der sie in einen Kurort bringen soll. Die Damen sind viel zu spät dran. Kurz bevor sie das Schiff erreichen, stürzt sich ein Mann auf die Kaiserin. Sie fällt, steht aber schnell wieder auf und geht an Bord. Sie bemerkt nicht, dass sie lebensgefährlich verletzt ist, denkt, der Mann hätte ihr lediglich einen Faustschlag versetzt. Doch der Attentäter Luigi Lucheni hat Elisabeth eine Feile in die Brust gerammt. Am Oberdeck des Dampfers bricht die Kaiserin zusammen und fragt: „Was ist denn eigentlich geschehen?” Dann wird sie ohnmächtig und schnell zurück ins Hotel gebracht. Als man das Mieder öffnet, ist ein kleiner bräunlicher Fleck auf der linken Brust zu sehen. Um 14.40 Uhr stirbt die legendäre Kaiserin von Österreich. Ermordet von einem italienischen Anarchisten. Sisis Tochter Marie Valerie hat nach dem Tod ihrer Mutter geschrieben: „Nun ist es gekommen, wie sie es immer wünschte, rasch, schmerzlos, ohne ärztliche Beratungen, ohne lange, bange Sorgentage für die Ihren.“

Warum ich dir das vor dem Josephinum erzähle? – Weil du hier die Tatwaffe sehen kannst. Du musst aber schon sehr genau suchen. Denn die Dreikantfeile in Form eines Stiletts, mit der Sisi erstochen wurde, ist ziemlich klein und unscheinbar. 

Während der Obduktion ist übrigens eine Auffälligkeit an Sisis Körper entdeckt worden: ein Anker-Tattoo auf ihrer Schulter. Das hat sie sich irgendwann einmal in einer Hafen-Spelunke stechen lassen. Kaiser und Wiener Hof haben davon freilich nichts erfahren dürfen. Denn das hätte für einen richtig großen Skandal gesorgt. 

Im Josephinum gibt’s natürlich noch viel mehr zu sehen als die Mordwaffe. Das 1785 eröffnete Haus beheimatet eine der herausragendsten medizinhistorischen Sammlungen der Welt. Zentraler Bestandteil sind weltberühmte anatomische Wachsmodelle. 

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