Frau mit einem Handy blickt auf Wien

Transkript: Beethoven Walk

 

0 Intro

Servus! Willkommen auf einer Reise durch Wien – ein Spaziergang, auf dem Du Beethoven neu kennen lernen wirst. Wenn ich darf, führe ich Dich zu den Orten von Beethovens größten Triumphen, aber auch zu den Städten größter seelischer Verzweiflung.

Ich zeige Dir Ecken in der Innenstadt, wo Beethoven hochkonzentriert gearbeitet hat, aber auch idyllische Wege draußen in der Natur, wo der Komponist seine Batterien wieder aufladen konnte. Und du lernst Beethoven von einer Seite kennen, die vielleicht weniger bekannt ist – etwa seine Neigung zu häufigen Umzügen und seine spezielle Auffassung von häuslicher Ordnung. Los geht's!

1 Beethoven Blick

Auf den ersten Blick erinnert hier wenig an Beethoven, an dieser Stelle zwischen Würstelstand, Cafe Mozart und Albertina. Aber das täuscht. Von hier aus überblickst Du gleich drei wichtige Beethoven-Aufführungsorte. Hast du die Rolltreppe zur Albertina im Rücken, die Fiaker vor dir? Gut. Wenn Du jetzt nach links blickst, die Augustinerstraße entlang, siehst du in der Ferne die Hausecke eines barocken Palais – das ist das Palais Lobkowitz. Heute ist dort das Theatermuseum. 1804 hat in dem Stadtpalast die private Wien-Premiere von Beethovens Eroica-Symphonie stattgefunden. Genau gegenüber der Albertina, also auf der anderen Seite des Platzes, findest du da das Schild des Kleidermachers "Wilhelm Jungmann & Neffe"? Ja? Auf dem Sims zwischen Erdgeschoß und der Unterseite des Hausvorsprungs. Genau dort war der Eingang zum Kärntnertor-Theater. Beethovens Neunte Symphonie ist im Kärntnertor-Theater uraufgeführt worden. Das war 1824. 50 Jahre später hat man das Theater abgerissen – heute steht dort unter anderem das Hotel Sacher.

Von deinem Standort aus siehst Du auch die Rückseite der Wiener Staatsoper. Acht Jahre lang hat deren Bau gedauert. Am 25. Mai 1869 war es dann soweit: Eröffnung mit Mozarts "Don Juan", vor Kaiser und Hofstaat. Ab 1897 hat Gustav Mahler die Oper als Direktor geleitet. Er hat mit bahnbrechenden Reformen für eine Blüte des Operntheaters gesorgt.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs hat das Gebäude schwere Bombentreffer erlitten. Doch bereits 1945 sind in Wien wieder Opern gespielt worden – in den Ausweichquartieren Volksoper und MusikTheater an der Wien. Viel gab es zu renovieren und so hat die feierliche Wiedereröffnung der Wiener Staatsoper erst zehn Jahre später stattgefunden, am 5. November 1955. Gespielt wurde Beethovens "Fidelio", die Freiheitsoper. Das war wenige Monate nach Unterzeichnung des Staatsvertrages – für viele ein bewegender Moment, denn Österreich ist damals nach 21 Jahren wieder ein souveräner Staat geworden. Heute ist die Wiener Staatsoper eines der bedeutendsten Opernhäuser der Welt.

2 Haus der Musik

Wie oft hast Du in deinem Leben schon die Wohnung gewechselt? Ich wette: Sicher nicht so oft wie Beethoven. Für ihn dürften es zirka 60 Umzüge in 35 Jahren gewesen sein! Da kann man schon mal den Überblick verlieren: Es ist sogar passiert, dass Beethoven aufs Abmelden vergessen hat - er musste dann mehrere Mieten parallel zahlen. Um sich auf die Zick-Zack-Spuren zu machen, die Beethoven in Wiens Adressregistern hinterlassen hat, ist das Haus der Musik der ideale Startpunkt. In Wiens Klangmuseum hat man Beethovens Wohnstätten auf einen Blick: auf einem markierten Stadtplan, der Sherlock Holmes Freude bereitet hätte.

Das ist natürlich nicht alles: Man kann sich hinter dieser barocken Straßenfassade auf die Fersen von Mozart, Haydn und Schubert heften. Aber was wäre so ein Museum ohne die Musik? Ich bin mir sicher, auch in Dir steckt kompositorisches Talent. Ganz ohne Vorkenntnisse kannst Du im Haus der Musik einen Walzer zusammenwürfeln. Deine Komposition kannst du dann als Erinnerungsstück mit nach Hause nehmen. Und du kannst hier auch dirigieren - vor einem virtuellen Orchester! Wie es Beethoven wohl beim Dirigieren gegangen ist, als er immer weniger und weniger gehört hat... In einem der Glanzstücke des Museums, im Beethoven-Raum, kann man HÖREN wie Beethoven. Wie klang die Welt für ihn im Jahr 1818, als er Gespräche nur mehr schriftlich geführt hat? Kein Wunder, dass seine Lebendmaske, die du hier im Beethoven-Raum sehen kannst, so angespannt wirkt… und die Totenmaske? Gezeichnet, aber erlöst.

3 Alte Universität

Würde jetzt Beethoven von der Bäckerstraße her um die Ecke biegen, würden ihm wohl die Autos auffallen - und das Gebäude Bäckerstraße 18 – sonst sieht es hier genauso aus wie damals. Im Uhrzeigersinn siehst Du: die Jesuitenkirche, die Häuser aus dem Ensemble der Alten Universität, und dann, besonders imposant, die Fassade der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Erbaut 1753 bis 1755, als Neue Aula der Alten Universität. Damals war das ein ultramoderner Bau – die Doppelsäulen an der Fassade waren eine Novität. Der Saal im Inneren ist im pompösen Rokoko-Stil gestaltet - der Prunk nimmt einem fast den Atem. Der perfekte Ort für Beethovens vielleicht größten Publikumserfolg – die Uraufführung der 7. Symphonie.

Am 8. Dezember 1813 war das – die Siebente wurde bejubelt. Genauso wie ein krachendes Tongemälde von Beethoven: “Wellingtons Sieg in der Schlacht bey Vittoria“. Die Leute waren baff: Ein riesiges musikalisches Spektakel mit Fanfaren, Kanonaden und einer Fugenversion von "God save the King". Anlass der Komposition war die Niederlage französischer Truppen in Nordspanien. Die Wiener Society hat sich das nicht entgehen lassen. Beim Konzert ist viel Prominenz zugegen – im Orchester spielen einige der damals berühmtesten Musiker - darunter Antonio Salieri, Johann Nepomuk Hummel und Giacomo Meyerbeer.

Diese Schlachtenmusik löst euphorische Reaktionen aus, die Aufführung wird später noch mehrmals wiederholt. Heute ist das Werk nur mehr selten zu hören.

Dafür ist die Siebente Symphonie im Standard-Repertoire von allen großen Orchestern. Beethoven selbst nennt sie

“eins der glücklichsten Produkte meiner schwachen Kräfte”.

4 Beethoven-Denkmal im 3.Bezirk

Beethoven war kein Wendehals. Er konnte richtig grob werden, wenn ihm etwas nicht gepasst hat. Diese Bronze-Version des starrköpfigen Komponisten hat allerdings eine unfreiwillige Pirouette gedreht. Der Grund dafür war die Umgestaltung der Umgebung des Denkmals. Als es 1880 enthüllt wurde, blickte Beethoven noch in Richtung der Palais am Ring. Zwei Jahrzehnte später wurde der Wienfluss überbaut. Beethoven hat dadurch der nunmehr attraktiveren Seite des Platzes den Rücken zugekehrt. Man hat diesen Schönheitsfehler korrigiert, indem man das Denkmal um 180 Grad gedreht hat.

Beethovens Gesicht ist heute dem Wiener Konzerthaus zugewandt. Dieses Gebäude wurde 1913 eröffnet – mit Beethovens Neunter Symphonie. Dort, im Foyer des Konzerthauses, kannst Du Beethoven noch näherkommen, denn dort steht gleich hinter der Bar das Gussmodell des Denkmals, in grau-weiß und ohne Sockel.

Es stammt vom Architekten Caspar Zumbusch. Er hat den Wettbewerb für dieses Beethoven-Denkmal gewonnen, abgehalten von der Gesellschaft der Musikfreunde, 44 Jahre nach Beethovens Tod. Auch Musikstars haben zur Finanzierung beigetragen – insbesondere Franz Liszt, ein glühender Beethoven-Fan, und Johannes Brahms.

Das Denkmal am Beethoven-Platz symbolisiert Erfolge und Qualen: Rechts sitzt die Siegesgöttin Nike mit erhobenem Lorbeerkranz. Auf der anderen Seite kauert der gefesselte Prometheus – wenn Du genau hinsiehst, bemerkst du einen Adler, der Prometheus die Leber aus der Seite hackt. Eher unangenehm. Darüber thront Beethoven so, wie wir ihn zu kennen glauben: nachdenklich, mit zerzausten Haaren. Das Bild, das wir von ihm haben, ist von solchen Darstellungen geprägt. Doch wer war er wirklich?

5 Secession

"Krauthappl" haben die Wiener dieses weiße Gebäude getauft – also Krautkopf. Wegen der großen goldenen Blätterkuppel am Dach. Errichtet wurde die Secession als Tempel der Kunst – wie Du siehst, strahlt sie auch heute noch etwas Sakrales aus. Über dem Portal siehst Du in goldenen Buchstaben den Wahlspruch der Erbauer: “Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit". Diese Freiheit hat eine revolutionäre Wiener Künstlergruppe für sich reklamiert. Deren Mitglieder hatten genug vom konservativen Kunst-Establishment. Sie haben 1897 eine eigene Künstlervereinigung gegründet - die Wiener Secession. Im Jahr darauf ist dann dieses Ausstellungshaus gebaut worden, nach Plänen von Joseph Maria Olbrich. Die Secession war der Hort der Wiener Moderne. Sie ist bis heute ein bedeutender Ausstellungsraum. Und sie birgt ein eindrucksvolles Kunstwerk mit Beethoven-Bezug.

Im Untergeschoß kannst Du den "Beethovenfries" sehen – eines der zentralen Werke von Gustav Klimt, einem der Mitbegründer der Secession. Gut, aber was ist ein Fries? Ein Fries ist ein waagrechtes Architekturelement – und Klimts Fries hat imposante Dimensionen: Er ist 34 Meter lang und zwei Meter hoch.

Klimt hat den „Beethovenfries“ 1902 geschaffen. Er ist eine Hommage an Beethoven. Dabei hat sich Klimt davon inspirieren lassen, wie Richard Wagner Beethovens Neunte Sinfonie interpretiert hat. Für das Opern-Genie Richard Wagner war Beethovens Neunte nämlich „das menschliche Evangelium der Kunst der Zukunft“.

Eine Kunst der Zukunft hat auch Klimt geschaffen: Den Beethovenfries kann man lesen wie einen Comic-Strip. Von links nach rechts führt Klimt unser Auge. Nacheinander betrachtet ergeben die Figurengruppen eine Erzählung. Dargestellt ist die Sehnsucht der Menschen nach dem Glück. Dieser Weg führt über Entbehrungen und Schrecken. Klimt hat hier bizarre Figuren geschaffen, drastische Charakterzeichnungen. Der Künstler hat auf expressive Hässlichkeit gesetzt, aber auch auf laszive Erotik – für manche war das damals zu viel – ein Skandal!

Die Auseinandersetzung mit Beethoven war für Klimt ein wichtiger Schritt: Die monumentale Allegorie bildet den Auftakt zu den Hauptwerken seiner „Goldenen Periode“.

6 MusikTheater an der Wien

Papageno-Tor. So heißt dieser Seiten-Eingang vom MusikTheater an der Wien. Er ist um einiges älter als der Haupteingang vorne beim Naschmarkt. Hier kannst Du einen Eindruck davon gewinnen, wie das Theater ausgesehen hat, als Beethoven hier gewirkt hat – und er hat im Theatergebäude sogar gewohnt! Und das kam so:

1801 ist das MusikTheater an der Wien eröffnet worden. Es war damals die modernste Bühne der Stadt. Direktor war Emanuel Schikaneder. Der Sänger, Dichter und Schauspieler ist schon gemeinsam mit Mozart höchst erfolgreich gewesen – er war Librettist der Oper “Die Zauberflöte”. Schikaneder hat sich hier an seinem Theater verewigt - siehst Du über dem grünen Tor die mittlere der Figuren? Sie zeigt Schikaneder als Papageno – daher auch der Name Papageno-Tor.

Auf musikalischem Gebiet ist Schikaneder zwei Jahre nach der Theater-Eröffnung ein PR-Coup gelungen. Er hat einen Starkomponisten an sein Haus binden können: Ludwig van Beethoven. Teil des Deals: ein festes Gehalt und eine Wohnung im Vorderhaus des Theaters.

Dieses Vorderhaus steht heute nicht mehr. Es wurde nach 1900 ersetzt - durch einen Bau der berühmten Theaterarchitekten Fellner und Helmer.

Beethoven hat seine Theaterwohnung zwischen 1803 und 1804 genutzt. Gäste waren von seiner Unordnung überrascht. Sein Freund, der Kapellmeister Ignaz Seyfried, berichtet:

„In seinem Haushalt eine wahrhaft admirable Confusion … Bücher und Musikalien in allen Ecken zerstreut, – dort das Restchen eines kalten Imbisses, – hier versiegelte oder halbgeleerte Bouteillen, – dort auf dem Stehpulte die flüchtige Skizze eines neuen Quatuors – … zwischen den Fenstern ein respektabler Laib Stracchino, ad latus erkleckliche Trümmer einer echten Veroneser Salami […] .

In Beethoven hat Impresario Schikaneder große Hoffnungen gesetzt – und der Komponist liefert: Seine Oper "Fidelio" kommt im Theater an der Wien in zwei Versionen zur Uraufführung. Erstmals erklingt hier sein Violinkonzert, außerdem die Symphonien 5 und 6 sowie die zweite Symphonie. Diese zweite Symphonie ist zukunftsweisend. Beethoven revolutioniert den Orchesterklang.

Seit 2006 knüpft das MusikTheater an der Wien an seine Vergangenheit als Opernhaus an: mit Schwerpunkten auf Mozart, dem Barock und zeitgenössischer Oper, topmodern inszeniert.

7 Sammlung Alter Musikinstrumente

Wie hat Beethoven seine Musik gehört? Jetzt einmal abgesehen von seiner zunehmenden Taubheit – welche Instrumente hatte er zur Verfügung?

Hier in der Wiener Hofburg, in der Sammlung Alter Musikinstrumente, kannst Du Beethovens Klangwelt besonders nahekommen. Die Entwicklung der Instrumente war zu Beethovens Zeiten rasant – und hatte starke Auswirkungen auf den Instrumentenklang. Ein Klavier war damals anders gebaut als ein Konzertflügel heute und es hatte auch andere Eigenschaften. Beethoven war immer an den neuesten Trends interessiert. Instrumentenbauer und Komponisten haben einander inspiriert. Neue Kompositionen, neue Instrumente – eines war ohne das andere nicht zu denken.

Hammerklavier nennt man heute die Flügel aus Beethovens Zeit – zwei, die von ihm selbst gespielt worden sind, sind hier ausgestellt. Und auch zwei Blasinstrumente, die im Zusammenhang mit dem Komponisten stehen. Zu sehen sind außerdem: eine Büste des Meisters und zwei berühmte Beethoven-Portraits - eines davon zeigt ihn als Zwölfjährigen.

In der Sammlung Alter Musikinstrumente darfst Du selbst in die Tasten greifen – auf detailgetreuen Kopien alter Instrumente. Außerdem kannst du via Audio-Guide 400 weitere außergewöhnliche Instrumente hören.

8 Palais Lobkowitz

Du stehst vor dem modernsten Gebäude Wiens. Also - natürlich zur Zeit der Fertigstellung 1687. Das Palais Lobkowitz war damals, kurz nach der zweiten Türkenbelagerung, der erste große Stadtpalast. Ultramodern muss die Fassade auf die Menschen gewirkt haben, so einen vorspringenden Mittelteil hat man in Wien bis dahin noch nicht gekannt. Bis heute sieht diese Vorderfront weitgehend so aus wie damals - nur der Eingang in der Mitte ist neu gestaltet worden. – Fischer von Erlach, der Architekt der Wiener Karlskirche, hat sich dieses schwungvolle Portal ausgedacht.

1745 hat die Familie Lobkowitz dieses Stadtpalais gekauft. Die Fürsten Lobkowitz hatten beste Kontakte zu bedeutenden Komponisten – etwa zu Christoph Willibald Gluck und Carl Philipp Emanuel Bach. Und man hat Ludwig van Beethoven engagiert. Für seinen Gönner Franz Joseph Maximilian von Lobkowitz gab's eine hochexklusive, private Wien-Premiere: Beethoven hat hier für seinen Gönner-Fürsten die dritte Symphonie dirigiert. Diese Symphonie hat den Beinamen Eroica – und sie klingt auch wirklich heroisch. Dieses Konzert hat 1804 stattgefunden, in einem ganz neuen Konzertsaal – auch heute noch ein beeindruckender Raum, dieser Eroica-Saal. Als Beethoven hier dirigiert hat, war die Farbe noch ganz frisch - der Fürst hatte nämlich erst fünf Jahre zuvor den Festsaal zum Konzertsaal umbauen lassen. Eine Investition für sein eigenes Orchester – Josef Franz Maximilian Fürst von Lobkowitz konnte und wollte sich diesen Luxus leisten. Schließlich gab es ja noch keine CDs, keine mp3-Files oder Streams. Man war auf Musikerinnen und Musiker aus Fleisch und Blut angewiesen.

Fürst Lobkowitz war ein langjähriger Geldgeber Beethovens, hat selbst Violine gespielt und er hat enorme Summen für Musik und Theater ausgegeben. Er hat in Wien außerdem eine bis heute wichtige Institution mitbegründet: die Gesellschaft der Musikfreunde – ohne die gäbe es heute kein Musikvereins-Gebäude. Die Künste hat der Fürst über alles geliebt, vielleicht zu sehr: Sein großzügiges Mäzenatentum hat ihn in den finanziellen Ruin getrieben.

9 Pasqualatihaus

Du stehst vor einem der Lieblings-Wohnorte von Ludwig van Beethoven. Die hohe Mauer, die Du hier hinter dem Liebenberg-Denkmal siehst, ist ein Teil der Stadtmauer - sie wurde im 19. Jahrhundert geschleift. Von dort konnte der Blick zu Beethovens Zeiten frei schweifen - über das Glacis, das sind die Flächen rund um die Stadt, hinüber in die Vorstädte - bis hinaus zum Wienerwald konnte man sehen. Mölkerbastei heißt dieser Stadtmauer-Rest. Beethoven hat im Eckgebäude gewohnt, im sogenannten Pasqualatihaus. Hoch oben im vierten Stock hat er residiert - mit einer herrlichen Aussicht! Die Wohnung dürfte das gewisse Etwas gehabt haben. Der notorische Wohnungs-Wechsler Beethoven zieht nämlich von 1804 bis 1814 immer wieder hierher zurück. Der Hausherr Johann Baptist Freiherr von Pasqualati hält ihm das Domizil stets frei - er ist ein enger Freund.

Beethoven arbeitet hier an seiner Oper Fidelio, an mehreren Symphonien und am Violinkonzert. Und hier entsteht auch DAS Einsteigerstück in Beethovens Klavierkosmos - „Für Elise“. Diesen Ohrwurm hat er vermutlich Therese von Malfatti gewidmet – manches deutet darauf hin, dass er sie heiraten wollte - er über 40, sie noch nicht 20 … ein vergebliches Werben ...

Die genaue Größe und Lage seiner Wohnung im 4. Stock sind heute nicht mehr gesichert. Die Atmosphäre von damals lässt sich aber wunderbar in der Beethoven-Gedenkstätte im selben Haus erspüren. Persönliche Dinge Beethovens sind ausgestellt, der alte Holzfußboden knarrt unter den Schritten der Besucher. Heute blickt man aus den Fenstern nicht mehr über die freie Fläche des Glacis, sondern auf die nicht minder imposante Ringstraße und die Universität.

10 Sterbeort Schwarzspanierstraße 15

Am Haus rechts neben der Schwarzspanierkirche erinnert nur mehr eine Gedenktafel an Beethovens Sterbewohnung. Das ursprüngliche Gebäude wurde Anfang des 20. Jahrhunderts abgerissen. Mit etwas Fantasie können wir uns in die verhängnisvollen Tage zurückversetzen. Beethoven ist 1825 hierher gezogen. In eine Wohnung im zweiten Stock. Geräumig, hell und mit Blick über die Stadt.

Am 26. März 1827 wütet ein heftiges Unwetter über den Dächern Wiens. In der Schwarzspanierstraße Nr. 15 liegt Beethoven in seinem Bett und kämpft seit zwei Tagen um sein Leben. Seit Monaten ist er bettlägerig, wird von guten Freunden umsorgt. Aber jetzt hat sich sein Zustand verschlechtert. Am späten Nachmittag des 26. März stirbt er mit 56 Jahren an Nieren- und Leberversagen. Zwei Freunde, die bis zum letzten Augenblick bei ihm ausharren, berichten:

"Gegen 6 Uhr nachmittags brach ein schweres Gewitter herein. Ein Blitz zündete in der Nähe, das Haus erbebte. Da richtete sich der Sterbende auf und hob drohend die Faust empor. Darauf fiel er zurück. Beethoven war tot."

Was war der Grund seines qualvollen Todes? Nach jüngsten Expertenmeinungen ist sein Ableben auf eine Bleivergiftung zurückzuführen. Über die Ursache der Vergiftung rätselt die Nachwelt noch heute. Die einen machen Beethovens übermäßigen Konsum von Wein verantwortlich. Der wird zu Beethovens Zeit mit Bleizucker gesüßt. Die anderen führen sie auf einen überstarken Genuss bleiverseuchter Flussfische zurück. Wie auch immer: Blei war zu Beethovens Zeit ein oft verschriebenes Allheilmittel, man hat es in Salben und desinfizierenden Pflastern verwendet. Beethoven wurde einen Tag nach seinem Tod von seinem Arzt obduziert – so hatte der Komponist es bestimmt. Den Wissenschaftlern bleiben nur wenige Überreste von Beethoven, um dem Geheimnis seines Todes auf die Spur zu kommen. Beethoven hat Zeit seines Lebens an verschiedenen Krankheiten gelitten. Trotzdem hatte er bis kurz vor seinem Tod umfangreiche musikalische Pläne:

„Ich habe noch so vieles schreiben wollen. Jetzt die zehnte Sinfonie, auch ein Requiem wollte ich komponieren und die Musik zu Faust, ja auch eine Klavierschule …“.

Wie hätte sie wohl geklungen, diese nie geschriebene 10. Sinfonie? Vermutlich wäre sie gezeichnet gewesen von den Qualen Beethovens letzter Monate.

11 Beethoven-Denkmal im 19. Bezirk

Ein glucksender Bach, das Rauschen des Windes und zwitschernde Vögel – für Beethoven war dies ein Sehnsuchtsort. Er hat sich von diesem Naturzauber zu einigen seiner besten Kompositionen inspirieren lassen. Heute kannst Du hier Beethoven besonders nah sein. Auf dem malerischen Weg vor Dir folgst Du Beethovens Schritten.

Als der Komponist diese Idylle im Sommer 1802 aufsucht, ist er an einem Tiefpunkt angelangt: Er ist nah am Burnout. Die Arbeitslast ist enorm, dazu kommt die ständige Sorge um seine Finanzen – schließlich ist er ein freischaffender Künstler, hat keinen fixen Job an einem europäischen Hof wie viele Komponisten-Genies vor ihm. Er steht unter großem psychischem Druck und sein Gehör wird immer schlechter. Er ist unsicher im Umgang mit den Menschen. Denn er kann sie immer schlechter verstehen. Diese Unsicherheit überspielt er oft mit mürrischer Ablehnung. Er spürt entsetzte Blicke auf sich gerichtet. Man beginnt ihn zu meiden. Dabei würde er sich so nach Wertschätzung sehnen. Und dann lässt auch noch schwerer Liebeskummer sein Herz rasen!

Beethovens Arzt schickt ihn aufs Land, hierher nach Heiligenstadt.

Am Schreiberbach entlang spaziert Beethoven besonders gern. Er brummt laut. Gestikuliert wild. Und immer wieder hält er abrupt an, mit strahlendem Blick, um einen musikalischen Gedanken festzuhalten. Sein Verhalten ist so bizarr, dass er sogar einmal von der Polizei aufgegriffen wird - sie hält ihn für einen Landstreicher oder einen Spion.

Der Weg entlang des Baches heißt heute “Beethovengang”. Die dunkle Büste, vor der du stehst, ist das erste Wiener Beethoven-Denkmal – es steht hier seit dem Jahr 1863. Du siehst den Beethoven der späteren Jahre: ein grüblerischer Denker, die tiefen Stirnfalten, eingerahmt von einer Frisur, durch die gerade erst der Wind gefahren ist.

12 Beethoven Museum

Die Hitze der Stadt ist im Sommer brutal. Wenn der erschöpfte Beethoven eine Auszeit gebraucht hat, hat er Wien den Rücken gekehrt und ist hierher gekommen, nach Heiligenstadt. Die ländliche Idylle, die wirkt wie Detox - damals wie heute. Die einfachen, einstöckigen Winzerhäuser hier in der Probusgasse sind ein Postkarten-Motiv.

Schon die Römer haben gewusst: Ein guter Wein ist ein Geschenk der Götter. Kaiser Probus hat dem Weinbau in dieser Region einen entscheidenden Entwicklungsschub gegeben - deswegen ist dieses romantische Gässchen nach dem Imperator benannt. Beethoven hat den Wein geliebt. Das war aber nicht der Hauptgrund, weshalb dieser Ort mit seinem Namen verbunden ist.

1802 kommt Beethoven für einen Wellness-Aufenthalt nach Heiligenstadt, der Ort war damals eine begehrte Thermen-Destination. Und das nur eine Pferdewagen-Stunde von Wien entfernt. Es geht Beethoven aber um mehr als um Erholung. Er erhofft sich die Befreiung aus seinem körperlichen und seelischen Tief – und eine Verbesserung seines Gehörs, das sich dramatisch verschlechtert hat.

Beethoven ist diese Straße oft entlang gegangen, meist hinaus in die Natur. Das zweistöckige Haus, vor dem du stehst, ist ein ehemaliges Bäckerhaus. Im Jahr 1802 ist es mit großer Wahrscheinlichkeit Beethovens Bleibe gewesen. Heute ist es eine musikalische Pilgerstätte und DAS Wiener Beethoven-Zentrum: ein großes Beethoven-Museum, das uns die Atmosphäre von damals unmittelbar spüren lässt. Der Atem der Geschichte weht durch den idyllischen Hinterhof und die niedrigen Räume. Hier ist einer der bekanntesten Briefe der Musikgeschichte geschrieben worden, das Heiligenstädter Testament. Beethoven hat darin sein Innerstes nach außen gekehrt. Ein einzigartiges Schriftstück. Beethoven entpuppt sich als verletzlich und voller Selbstzweifel. In diesem berührenden Dokument hat der mürrische Meister versucht, seine Menschenscheu zu erklären. Kein anderes Schriftstück lässt tiefer in Beethovens Seele blicken.

13 Mayer am Pfarrplatz

So ein lauschiges Platzerl! Ein idealer Ort, um zur Ruhe zu kommen! Alles atmet Geschichte. Die Kirche St. Jakob ist eine der ältesten Kirchen außerhalb der Wiener Innenstadt. An der angrenzenden Mauer findest Du eine Landkarte mit den wichtigsten Beethoven-Gedenkorten in Gehweite. Links davon steht eine der bezauberndsten Wohnstätten des Meisters in Heiligenstadt. Beethoven hat hier 1817 Inspiration gefunden. Er hätte wohl auch heute seine Freude - mit dem Weingut „Mayer am Pfarrplatz“. Es produziert Spitzenweine von Wiens besten Lagen. Das Leben ist einfach viel zu kurz, um schlechten Wein zu trinken.

Joseph August Lux in seiner Beethovenbiografie von 1927:

„Wohl hat sich eine Sommerwohnung in Heiligenstadt gefunden; das Haus ist lieblich gelegen, am stillen, sonnigen Pfarrplatz, in dessen Mitte sich eine Johannesstatue erhebt, umgeben von vier Akazien. Von der Hausecke schaut aus blauem Grund der heilige Florian herab, ein breites Tor führt in den Hof; wilder Wein überwuchert wie ein dichtgrüner Vorhang die offene Holztreppe an der linken Langseite, über die man in die primitiven Zimmer hinaufkommt, die mit ihren Fenstern weit hinaussehen über die Donau, ins Marchfeld hinüber, wo die Gräfin Erdödy auf ihrem Landsitz wohnt…“ 

Beethoven hat einen kurzen Weg vom geliebten Wein zur Arbeit an seiner Musik: Seine Wohnung erreicht er vom Gastgarten aus. Die Treppe in den ersten Stock am linken hinteren Ende des Hofes gibt es auch heute noch.

14 Beethoven-Grab

Zentralfriedhof, Gruppe 32A: Die Genies der Wiener Klassik vereint: in der Mitte ein Denkmal für Mozart, links die letzte Ruhestätte von Beethoven, rechts das Grab von Schubert. Fehlt nur Haydn – der liegt in Eisenstadt begraben. Und Mozarts „echte“ letzte Ruhestätte ist am St. Marxer Friedhof.

Fast sechzig Jahre nach Beethovens Tod – im Jahr 1874 – ist der Zentralfriedhof eingeweiht worden. Die Stadt ist damals schnell gewachsen, und man hat nicht nur für die Lebenden mehr Platz gebraucht.

Damit er von der Bevölkerung angenommen wird, setzt man damals auf Prominenz, Totenruhe hin oder her. Beethoven und Schubert werden 1888 aus ihren Gräbern geholt und feierlich neu bestattet. Beethovens nunmehr wirklich letzte Ruhestätte ist dem ursprünglichen Grab am Währinger Friedhof genau nachgebildet. Kannst Du das Geheimnis der Symbole auf dem Grabstein enträtseln? Wir sehen eine goldene Lyra – die steht für die Musik, klar. Aber der goldene Ring? Eine Schlange, die sich selbst in den Schwanz beißt... und dabei einen Schmetterling umschließt. Der Kreis steht für die Ewigkeit - Schlange und Schmetterling sind Symbole für die Auferstehung.

Apropos Tierwelt: Der Zentralfriedhof ist ein Tierparadies: Wenn Du Glück hast, kannst Du sogar Rehe, Hasen und Hamster sehen. Platz ist genug: Drei Millionen Tote ruhen hier auf Zweieinhalb Quadratkilometern. Wenn die Statistik Recht behält, bietet der Friedhof bis zum Jahr 4000 ausreichend Platz.

Falls Du noch Zeit hast: Man kann noch weiterer Musikprominenz Respekt zollen:

Du findest die Mitglieder der Strauss-Dynastie, außerdem Johannes Brahms, Christoph Willibald Gluck, Arnold Schönberg und Hugo Wolf. Aber auch vielbesuchte Gräber von Pop-Stars wie Falco und Udo Jürgens.