Wandbemalungen in der Wiedner Hauptstraße 78: Kruella d’Enfer interpretiert Schieles „Auf dem Bauch liegender weiblicher Akt“ und der Brasilianer Kobra „Klimt mit Katze“

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Street-Art in Wien: Ein Farb-Spektakel

Urbane Kunst ist in Wien nicht mehr zu übersehen. Ob beim Spaziergang oder beim Blick aus einem Verkehrsmittel – unter Wiens freiem Himmel begegnet man Kunstwerken aller Art. Oftmals sind es fantasievoll und meist farbenfroh gestaltete Wände, Fassaden und Hauseingänge, aber selbst einige U-Bahn-Stationen sind kleine Kunstwerke. Unzählige Initiativen setzen sich in Wien schon lange dafür ein, dass sich Outdoor-Kunst entfalten kann.

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Vienna Street Art, Artez, Salesianergasse 16, 1030 Wien, Jenga
Mural von Artez in der Salesianergasse (3. Bezirk)© Jolly Schwarz
Calle Libre: Crazy Mister Sketch - Burggasse (7. Bezirk)
Mural von Crazy Mister Sketch in der Burggasse (7. Bezirk)© Calle Libre/Jolly Schwarz
Medianeras Murales, Gumpendorfer Straße
Street-Art von Medianeras in der Gumpendorfer Straße (6. Bezirk)© Jolly Schwarz
Street-Art: Großflächige Mural von Video.Sckre (österreichisch-deutsches Künstlerduo) in der Liniengasse 29
Mural von Video.Sckre in der Liniengasse (6. Bezirk)© Foto: Jolly Schwarz
Street Art Tour
Street-Art-Tour am Donaukanal© WienTourismus/Paul Bauer
Wiener Taube – Symbol für legal bespraybare Wände in Wien
Die "Wiener Taube" als Erkennungszeichen für Wände, die legal besprayt werden können.© GB*

Die Institution „KÖR Kunst im öffentlichen Raum Wien“ initiierte und förderte seit ihrer Gründung 2004 bereits knapp 300 temporäre und permanente künstlerische Projekte im öffentlichen Raum, darunter viel Street-Art. So wird Zeitgenössisches für alle erlebbar gemacht und öffentlicher Diskurs ermöglicht.

Und nicht vergessen darf man das Projekt „Wienerwand“: Unter der Schirmherrschaft der Stadt werden seit 2005 ausgewählte Wände in ganz Wien zur Verfügung gestellt, die jede:r künstlerisch nutzen kann. Als Erkennungszeichen dient das Symbol der „Wiener Taube“. Epizentrum der Street-Art ist zweifelsohne der Wiener Donaukanal. Das innerstädtische Areal entlang des Donauarms ist eine regelrechte Outdoor-Ausstellung. Wände, Geländer und Bögen sind oft mit einer zentimeterdicken Farbschicht bedeckt. Hier entstand in den vergangenen Jahren eine der größten Freiluft-Galerien Europas, in der Szene „Hall of Fame“ genannt.

Wandbemalungen in der Wiedner Hauptstraße 78: Kruella d’Enfer interpretiert Schieles „Auf dem Bauch liegender weiblicher Akt“ und der Brasilianer Kobra „Klimt mit Katze“
Wiedner Hauptstraße 78: Die Portugiesin Kruella d’Enfer interpretiert Schieles „Auf dem Bauch liegender weiblicher Akt“ und der Brasilianer Kobra mit seiner Version von „Klimt mit Katze“. © Jolly Schwarz

Wien zieht an

Mit „Calle Libre“ hat Wien seit 2014 auch ein eigenes Festival für Street-Art, das mittlerweile größte Mitteleuropas. „Als wir begonnen haben, war Kunst im öffentlichen Raum vielerorts noch als ‚Schmiererei‘ verpönt und wurde als Stiefkind der Kunst betrachtet“, erzählt Jakob Kattner, der Calle Libre („freie Straße“ aus dem Spanischen) nach einer Studienreise durch Lateinamerika ins Leben gerufen hat. Das Festival für urbane Ästhetik vereint bildende und darstellende Kunst mit neuen Medien und findet jedes Jahr im Sommer statt.

Über 70 teils meterhohe Wände in 13 Bezirken wurden bisher von heimischen und internationalen Street-Art-Künstler:innen gestaltet. Denn die Stadt genießt weltweit einen hervorragenden Ruf. Kattner: „Wien gilt weithin als Mekka der Kunst. Das zieht natürlich viele Artists an.“ Einige finden hier ganz besondere Inspiration, wie die beiden internationalen Street-Art-Stars Kobra und Kruella d’Enfer, die sich 2018 mit ihren noch immer bestehenden Wandbildern (Murals) im 4. Bezirk an die Wiener Größen Gustav Klimt und Egon Schiele anlehnten.

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Street-Art: Künstler bemalen die Mauer einer Lagerhalle
Calle Libre 2022: Street-Artists aus aller Welt machten aus einer Lagerhalle eine Leinwand. Thiago Mazza gestaltete den angrenzenden Wohnturm.© WienTourismus / Sebastian Burziwal
Street-Art, Bordalo II „Trash Animal“: riesiges, buntes Eichhörnchen aus Müll zusammengesetzt
Calle Libre 2022: Bordalo II entwarf das Riesen-Eichhörnchen „Trash Animal“ – aus Müll.© Foto: Jolly Schwarz
Calle Libre 2022 - Team
Das Team beim Calle Libre 2022 am Nordwestbahnhof.© Jolly Schwarz

Lust auf bunt

Kattners Vision? Wien bunter zu machen. Das kommt auch bei den Wiener:innen gut an. „Die Akzeptanz für Street-Art seitens der Bewohner:innen ist mit den Jahren kontinuierlich gestiegen“, erzählt der Festival-Gründer: „Wir wollen die Stadt mitgestalten, Diskurs ermöglichen und interkulturellen Austausch fördern. Wir konnten in den letzten Jahren zeigen, dass Urban Art eine ernst zu nehmende zeitgenössische Kunstströmung ist. Das positive Feedback dazu freut uns natürlich.“ Street-Art entflieht schon lange dem Klischee, Vandalismus zu sein. Auch Kulturinstitutionen suchen immer öfter die Zusammenarbeit, wie gemeinsame Initiativen des Calle Libre mit dem mumok, der Albertina, dem Wien Museum und dem Weltmuseum Wien zeigen.

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Video über die Graffitiszene in Wien

Text: Maria Schaller

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