Bild von Hedy Lamarr

Hedy Lamarr – Wiener Hollywoodstar und Erfinderin

Hollywood-Ikone ...

Als Hedwig Eva Maria Kiesler in Wien geboren, verbrachte sie die ersten 24 Jahre ihres Lebens in Österreichs Hauptstadt. Spuren davon findet man bis heute: Zum Beispiel im Gartenbaukino, wo die österreichische Premiere ihres ersten Erfolgs und größten Skandals stattfand. Berühmtheit erlangte sie nämlich durch ihre Rolle im österreichisch-tschechischen Film „Ekstase“, in dem sie gleich zwei Tabus der internationalen Filmindustrie brach: Die Produktion enthält die erste Nacktszene der Filmgeschichte und deutet den ersten weiblichen Orgasmus an.

Der Film war wegen seiner Freizügigkeit viele Jahre in den Vereinigten Staaten verboten und Hedys erster Ehemann – der reiche Wiener Waffenproduzent und Faschist Fritz Mandl – versuchte vergeblich, alle Kopien von „Ekstase“ aufzukaufen. Anlässlich ihrer Hochzeit in der Wiener Karlskirche zwang er sie, vom jüdischen zum katholischen Glauben überzutreten. Diese erste ihrer insgesamt sechs Ehen entpuppte sich letztlich als Disaster: Mandl versuchte, Hedy die Schauspielerei zu verbieten und ließ sie in ihrem gemeinsamen Haus einsperren.

"Ich muss aufhören, Männer zu heiraten, die sich mir unterlegen fühlen. Irgendwo muss es einen Mann geben, der mein Ehemann sein kann und sich nicht unterlegen fühlt. Ich brauche einen überlegenen unterlegenen Mann."

Sie entfloh der Ehe nach Paris und schließlich nach London, wo sie vom bekannten Hollywood-Produzenten Louis B. Mayer entdeckt wurde. Er gab ihr den Künstlernamen Hedy Lamarr und brachte sie unter dem Titel "Schönste Frau der Welt" nach New York, wo sie in Rekordzeit das Filmgeschäft eroberte. Durch ihr schauspielerisches Talent und ihre enorme Schönheit spielte sie bald an der Seite von Jimmy Stewart und Clark Gable. In Folge wurde sie zu einer wahren Stilikone der 1930er und 40er. Der Lamarr-Look – brünettes Haar und Mittelscheitel – wurde zum Ideal, und selbst von ihren Schauspielkolleginnen übernommen.

 

... und Erfinderin

Talentiert war Hedy Lamarr aber nicht nur auf der Leinwand. Schon in ihrer Jugend zeigte sie ein Interesse an Technik und Wissenschaft. Unter anderem erfand und patentierte sie zusammen mit dem Komponisten und Tüftler George Antheil das Frequenzsprungverfahren. Gedacht war diese bahnbrechende Innovation ursprünglich für das amerikanische Militär, um die Funksignale für die Torpedosteuerung unauffindbar zu machen und den Alliierten im Zweiten Weltkrieg so einen Vorteil zu verschaffen. Tatsächlich legten die zwei Freunde damit den Grundstein für die Entwicklung der zukünftigen Telekommunikation. Ihre Erfindung findet bis heute Einsatz in der modernen Technologie - GPS, WLAN, Bluetooth und Smartphones gäbe es in dieser Form nicht ohne Hedy Lamarr.

Erst viele Jahre nach dem Ende ihrer Leinwandkarriere erhielt sie von der Electronic Frontier Foundation wirkliche Anerkennung für ihre herausragende technische Leistung; ihr wird 1997 der EFF Pioneer Award verliehen. 2015 beging Google feierlich Hedy Lamarrs Geburtstag mit einem Google Doodle, um ihre Errungenschaften in Wissenschaft und Technik zu ehren. Nichtsdestotrotz verdiente sie bis zu ihrem Tod am 19. Januar 2000 keinen Cent an ihrer und Antheils Erfindung.

Ihr aufsehenerregendes Leben fasziniert und inspiriert nachhaltig: Der 9. November, Hedys Geburtstag, ist Anlass für den Tag der Erfinder, und das Theater in der Josefstadt, in dem die junge Hedy noch als Hedwig Kiesler ihr schauspielerisches Debüt feierte, widmet nun einer der schönsten und intelligentesten Töchter Wiens von November 2017 bis Januar 2018 eine Theaterinszenierung ihres ungewöhnlichen Lebens. „Sieben Sekunden Ewigkeit“ von Peter Turrini ist eine Hommage an eine Frau voller Widersprüche, die Zeit ihres Lebens immer wieder in unterschiedliche Rollen schlüpfte und nie wirklich fassbar war.

„Jedes Mädchen kann glamourös sein. Du musst nur still stehen und dumm dreinschauen.“

Ihr letzter Wille war eine Rückkehr. Hedy Lamarrs Urne wurde am Wiener Zentralfriedhof in einem Ehrengrab beigesetzt und ihre Familie verstreute einen Teil ihrer Asche – entsprechend Hedys Wunsch – im Wienerwald beim Erholungsgebiet „Am Himmel“. Trotz ihres Erfolgs und glamourösen Lebens als Hollywood-Diva, weit entfernt von Wien, zog es sie am Ende doch zurück in ihre Heimatstadt.

 

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