Historische Brücken und Brunnen
Bevor Wasserleitungen bis in jede Wohnung reichten, waren Brunnen das pulsierende Zentrum des Alltags. In Wien speisten Quellwasser-Systeme und frühe Leitungen zahlreiche öffentliche Brunnen und sicherten so das Wachstum der Stadt. Mit dem Ausbau moderner Hochquellenleitungen wandelte sich ihre Rolle und sie wurden zu repräsentativen Wahrzeichen. Ein Blick auf Wiens historische Brunnen.
Hochstrahlbrunnen am Schwarzenbergplatz
Der wohl bekannteste Brunnen in Wien ist der Hochstrahlbrunnen am Schwarzenbergplatz. 1873 wurde er von Gustav Bruck errichtet und in Anwesenheit von Kaiser Franz Joseph I. zur Feier der fertigen Ersten Hochquellenleitung in Betrieb genommen – ermöglicht wurde das durch 200.000 Kronen, die Bauunternehmer Antonio Gabrielli spendete, indem er so lange auf sein Gehalt verzichtete, bis die Summe erreicht war. Auch das Design ist kein Zufall: 365 kleine Fontänen stehen für die Tage des Jahres, weitere Strahlen symbolisieren Wochentage, Monate und Stunden. 1906 verwandelte man ihn in einen Leuchtbrunnen, der in heißen Sommernächten Abkühlung und cooles Ambiente spendet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er technisch erneuert, 1985 generalüberholt – und ab Ende 2027 wird er bis zum Start der Brunnensaison 2029 für eine Umfassende Sanierung außer Betrieb genommen.
Wissenswertes zum Hochstrahlbrunnen am Schwarzenbergplatz:
- Der Brunnen ist jedes Jahr vom Weltwassertag am 22. März bis zur Winterpause im Herbst in Betrieb.
- Der Durchmesser des Brunnenbeckens beträgt rund 40 Meter.
- Die Höhe der gewaltigen Fontäne, der Hochstrahl, in der Mitte des Brunnens wird entsprechend der Windverhältnisse durch einen Sensor gesteuert.
- Für die nächtlichen Farblichtspiele wird seit 2014 LED-Lichttechnik eingesetzt.
- Der Brunnen wird mit Pumpen im Umwälzbetrieb geführt, um Wasser zu sparen.
Der Donnerbrunnen
Eine der interessantesten Geschichten hat der Donnerbrunnen (1739) am Neuen Markt. Der Donnerbrunnen ist ein echtes Barock-Drama aus Blei: 1737 erhielt Georg Raphael Donner den Auftrag, den Brunnen am Mehlmarkt – dem heutigen Neuen Markt – neu zu gestalten. Mit seiner Idee, die Figuren aus einer Blei-Zinn-Legierung zu gießen, setzte er sich durch, und 1739 stand das Ensemble mit der dynamisch aufwärts gedrehten Personifikation der Providentia (Vorsehung), vier kämpferischen Putti und den kraftvollen Flussfiguren Enns, March, Traun und Ybbs im Herzen Wiens. Die nackten Figuren (Allegorien der Donau-Nebenflüsse) wurden anfangs von der Keuschheitskommission von Kaiserin Maria Theresia entfernt.
Das weiche Material machte dem Werk jedoch immer wieder zu schaffen, es wurde restauriert, abgenommen, ersetzt und schließlich eingelagert; seit 1921 waren die Originale als Leihgabe im Unteren Belvedere zu sehen, bis sie nach umfangreicher Restaurierung ins neue Wien Museum am Karlsplatz übersiedelten. Sie gelten als Glanzpunkte der europäischen Plastik des 18. Jahrhunderts und gehören damit zu den wertvollsten Objekten in der Sammlung des Wien Museums.
Übrigens: Am Neuen Markt stehen heute nicht die empfindlichen Originale, sondern Bronzeabgüsse aus den Jahren 1871/73 – die echten Barockfiguren sind also längst ins Museum gewandert.
Und der Pallas-Athene-Brunnen (1902) vor dem Parlament am Ring zeigt Flussgötter, die Donau, Inn, Elbe und Moldau verkörpern. Den Andromedabrunnen im Alten Rathaus, den Austriabrunnen auf der Freyung oder den Erinnerungsbrunnen an Kaiserin Sisi im Volksgarten sollten Sie sich ebenfalls nicht entgehen lassen.
Die rund 1.800 Trinkbrunnen mit köstlichem Wiener Leitungswasser und 55 Monumental- und Denkmalbrunnen befinden sich allesamt an zentralen Plätzen und sind Ruhepunkte, die zum Verweilen einladen.
Stadt der Brücken
Als Stadt an der Donau hat Wien auch viele Brücken zu bieten: zehn Donau-, 32 Donaukanal-, 40 Wienfluss-, 271 U-Bahnbrücken und andere. Die U-Bahn entwickelte sich aus der von Otto Wagner konzipierten Stadtbahn, welche die Errichtung von mehreren Brücken erforderte. Diese Konstruktionen sind zwar technische Zweckbauten, aber formal bis ins kleinste Detail gestaltet und somit äußerst sehenswert. Sie prägen bis heute das Wiener Stadtbild. Klein, aber fein ist der Konstantinsteg im Wiener Prater, der 1873 eröffnet wurde und somit - bauwerklich gesehen - die älteste Brücke Wiens ist.
Tipp:
Neben architektonisch beeindruckenden Brücken und Brunnen hat Wien auch viele historische Stiegenanlagen zu bieten!
Weitere Informationen zu den Wiener Brunnen:
www.wien.gv.at/wienwasser/versorgung/brunnen.html
Weitere Informationen zu den Wiener Brücken:
www.bruecken.wien.at
Brücken-Suche:
www.wien.gv.at/verkehr/brueckenbau/bruecken-gis.html